„Tschapaiew. Das Bataillon der 21. Nationen“. Die Geschichte eines Buches von Alfred Kantorowicz, das nicht erscheinen sollte. Von Werner Abel.

Dieser inzwischen aktualisierte Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift EXIL, Heft 1 / 2015. Der Verlag  EXIL verlegt die Zeitschrift EXIL und  Exilliteratur, die in den Jahren 1933 bis 1945 entstanden ist. Ferner veröffentlichte der Autor über Kantorowicz  im „Argonautenschiff“ 24/2016 – Jahrbuch der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V. sowie im Biographischen Lexikon von Werner Abel, Enrico Hilbert & Harald Wittstock – ‚Sie werden nicht durchkommen‘, Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution. Bilder und Materialien unter Mitarbeit von Marguerite Bremer, Peter Fisch, Dieter Nelles und Karlen Vesper, Band 2, Verlag Edition AV.)

„Tschapaiew. Das Bataillon der 21. Nationen“. Die Geschichte eines Buches von Alfred Kantorowicz, das nicht erscheinen sollte

Im Jahre 1938 erschien bei der Imprenta Colectiva Torrent in Madrid ein Buch in deutscher Sprache, das heute vermutlich zu den eher selteneren Druckerzeugnissen des deutschen Exils gehört. Der eindrucksvolle Schutzumschlag des Buches zeigt neben der rot-gelb-violetten Fahne der 2. Spanischen Republik den stilisierten Kampfverlauf eines Bataillons der spanischen republikanischen Armee von seiner Gründung am 11. November 1936 in Albacete über die Orte der heftigsten Kämpfe an der Málaga- und der Córdoba-Front bis hin zur Schlacht um Brunete, in der das Bataillon aufgerieben und danach aufgelöst wurde. Das Buch trägt den Titel „Tschapaiew. Das Bataillon der 21. Nationen“ und ist dem Bataillon gewidmet, das Bestandteil der XIII. Internationalen Brigade und dessen Zusammensetzung die internationalste war, die eine der vielen aus ausländischen Freiwilligen gebildeten Einheiten der Spanischen Volksarmee aufzuweisen hatte. Dieses Buch, „Dargestellt in Aufzeichnungen seiner Mitkämpfer“, wurde, so ist auf der Titelseite zu lesen, „Redigiert von Alfred Kantorowicz. Informationsoffizier des Bataillons.“ Nun ist „redigieren“ wohl ein irreführender Begriff, denn Kantorowicz hat die Berichte gesammelt, zusammengestellt und die Drucklegung des Buches allein und gegen Widerstände organisiert und durchgesetzt. Das Kuriose ist, dass von einigen der politischen Spitzenkader der Internationalen Brigaden und vor allem seitens der KPD in Spanien mit allen Mitteln versucht wurde, das Erscheinen dieses Buch zu verhindern.

Alfred Kantorowicz war im November 1936 aus Moskau nach Frankreich gereist und von dort aus im Dezember in Spanien eingetroffen. Da er einen noch gültigen deutschen Pass besaß, musste er nicht einen der üblichen Schleichwege benutzen, auf denen die Freiwilligen aus aller Welt der durch den Generals-Putsch bedrohten Republik zur Hilfe eilten. Er konnte von Toulouse nach Barcelona fliegen und war kurz darauf in Madrid bei der XI. Internationalen Brigade, die bei der Verteidigung der spanischen Hauptstadt eine entscheidende Rolle spielte. Zunächst Presse-Offizier dieser Brigade, wurde Kantorowicz dann vom Generalkriegskommissariat der Internationalen Brigaden beauftragt, mit dem „Volontaire de la Liberté“ eine in französischer und deutscher Sprache für alle internationalen Freiwillige bestimmte Frontzeitschrift zu gründen und herauszugeben. Nach drei Monaten Arbeit an dieser Zeitschrift wurde Kantorowicz an die Córdoba-Front zur XIII. Internationalen Brigade kommandiert, weil sich in dieser Einheit, die inzwischen „die vergessene Brigade“ genannt wurde, der Unmut über den ununterbrochenen Fronteinsatz, ohne Urlaub oder Hoffnung auf Ablösung, zunahm. Obwohl Prominente wie Egon Erwin Kisch, Alfred Kuttner, später auch Gerda Taro und Robert Capa die XIII. Brigade besucht hatten, war man dort der Meinung, dass die anderen internationalen Verbände, vor allem die XI. Brigade, die an der Zentralfront kämpfte, viel mehr im Blick der Öffentlichkeit stehen, besser versorgt und vor allem an entscheidenderen Frontabschnitten eingesetzt würden. Als Kantorowicz in der Sierra Mulva eintraf, hatte die Stimmung der Freiwilligen einen Tiefpunkt erreicht. Der Kommandeur der XIII. Brigade, Wilhelm Zaisser, der in Spanien den Allerwelts-Namen José Gómez trug, war der einzige Deutsche im republikanischen Spanien, der einen Generals-Rang hatte. Das machte ihn dem Kriegsministerium und dem Generalstab der Armee nicht unbedingt sympathisch, denn Zaisser hatte diesen Rang dem von der Kommunistischen Partei Spaniens gebildeten „5. Regiment“, vor allem aber den Internationalen Brigaden zu verdanken, und überdies nicht das für eine solche Beförderung notwendige Procedere der Armee durchlaufen. Das mittlerweile wegen dem franquistischen Druck auf Madrid in Valencia angesiedelte Kriegsministerium der Republik war außerdem besorgt über die wachsende Dominanz kommunistischer Kader in der Armee. Vor diesem Hintergrund muss auch die Haltung des spanischen Kriegsministeriums und des Generalstabs gegenüber der XIII. Brigade gesehen werden.

Kantorowicz, der schon den Tod einiger Freunde im Kampf gegen die Truppen Francos zu beklagen hatte, war aber nicht als Journalist an die Front in der Sierra gekommen. Er wollte kämpfen. „Der General“, wie er Zaisser in seinem „Kriegstagebuch“ in der Regel nannte, hatte Kantorowicz zunächst ohne besonderen Aufgabenbereich im Brigadestab beschäftigt, vielleicht auch, weil die intellektuellen Diskussionspartner in seiner Umgebung immer weniger wurden. Dann aber gab er dem Drängen Kantorowicz´s nach und kommandierte ihn am 20. Juni 1937 im Range eines Teniente (Leutnant) als Informations-Offizier zum „Tschapaiew“-Bataillon. Er konnte nun ohne besondere Erlaubnis die vordersten Stellungen aufsuchen, was auch seine Aufgabe war, denn der Informations-Offizier war eine Art Militärtopograph. Schon zu dieser Zeit reifte bei Kantorowicz der Gedanke, die Geschichte dieses Bataillons zu schreiben, weil ihn die Erzählungen seiner neuen Kameraden beeindruckten. Er begann damit, diese Berichte zu sammeln. Für das Niederschreiben aber war es noch zu früh.

Am 29. Juni war die XIII. Internationale Brigade und somit auch das „Tschapaiew“-Bataillon an die Zentralfront vor Madrid verlegt worden. Alle Kämpfer waren erschöpft und hatten gehofft, wenigstens einige Tage Urlaub in Madrid verbringen zu können. Stattdessen sollte die Brigade in der Schlacht um Brunete (6. bis 25. Juli 1937), die als Entsatz für Madrid gedacht war, in den Kampf geworfen werden.  Der Brigadearzt Dr. Fritz Jensen hatte sich besorgt an den Kriegsrat der Internationalen Brigaden gewandt und vom medizinischen Standpunkt aus gewarnt, die Männer erneut an die Front zu schicken. Der Kommandeur der Brigade, General Gómez, hatte beim Stab der Zentrumsarmee vergeblich um eine Ruhepause nachgesucht. Er war daraufhin seiner Funktion enthoben und sogar für kurze Zeit vom Chef der Zentrumsarmee, General José Miaja, festgenommen worden. Der neue Brigadekommandeur Major „Krieger“ (d.i. Vincenzo Blanco), den Kantorowicz als „verrückt“ bezeichnete, der eigentlich aber selbst überrascht und überfordert war, befehligte nun die Brigade in einem Kampf, dem die Freiwilligen nicht mehr gewachsen waren. Auch das trug dazu bei, dass die Brigade ernste Verluste hinnehmen musste. Es kam zu Zersetzungserscheinungen und Anfang August sogar zur Meuterei des zur Brigade gehörenden spanischen Bataillons „Juan Marco“. Am 4. August wurden die Reste der Brigade entwaffnet und ihre Freiwilligen anderen internationalen Einheiten zugeteilt.

Alfred Kantorowicz hat das nicht mehr miterleben müssen. Am 21. Juli hatte er am Ufer des Guadarrama in einer Höhle zwischen den Wurzeln eines Baumes Schutz gesucht, als über ihm im Baum eine Sprengbombe explodierte und ihn halb verschüttete. Der Schock, den Kantorowicz davontrug, war so groß, dass er längere Zeit im Hospital zubringen musste. Als Rekonvaleszent war er wieder wie ganz zu Beginn der XI. Internationalen Brigade unterstellt, von deren Führung er nun auch den offiziellen Auftrag erhielt, die Geschichte des „Tschapaiew“-Bataillons zu schreiben. Dazu durfte er auch das Archiv dieser Brigade nutzen, das sich im Haus der Internationalen Brigaden in der Calle Velasquez in Madrid befand. Wohnen und Schreiben konnte er im Schloss Moraleja, in dem die XI. Brigade ein Heim für spanische Kriegswaisen betreute. Neben dem Schreiben hatte Kantorowicz zudem den Auftrag, bestimmte Aufgaben bei der Betreuung der Kinder zu übernehmen. Als im Oktober seine Frau Friedel nach Spanien kam, zog er nach Madrid in die Nähe der Calle Velasquez, um sich, während sie allabendlich in der deutschen Sendung von Radio Madrid sprach, ganz dem Buch widmen zu können. Die Arbeit ging schnell voran, und zum Schluss hatte er die Beiträge von 78 Freiwilligen aus 13 Nationen gesammelt. Kantorowicz war stolz darauf: „Es schrieben die Schützen, die Melder, die Fouriere, die Gewehrführer, die Sanitäter, Zugführer, Frontoffiziere, Frontärzte – Industriearbeiter, Grubenarbeiter, Landarbeiter, Mechaniker, Kraftfahrer, Fischer, Seeleute, Angestellte, Beamte, Handwerker, Kaufleute, Juristen, Maler, Schriftsteller; es schrieben Deutsche, Spanier, Polen, Franzosen, Schweizer, Israelis, Holländer, Schweden, Engländer, Ungarn, Tschechen, Österreicher, Jugoslawen – bis aus vielen Stimmen der Einklang einer internationalen Gemeinschaft wurde.“ [1]

Anfang November 1937 war das Buch druckfertig. Nun war es im belagerten und unterversorgten Madrid, noch dazu im beginnenden Winter, nicht einfach, ein so aufwändig gemachtes, reich illustriertes Buch drucken zu lassen. Aber Kantorowicz kannte zwei kollektivierte Druckereien aus der Zeit, in der er für die Zeitschrift der Brigaden verantwortlich war. Und er bekam tatsächlich die erwartete Hilfe von beiden, was zu dem wohl einmaligen Ergebnis führte, dass das Buch aus zwei Teilen mit jeweils unterschiedlichen Schrifttypen besteht. Alle technischen Probleme konnten gemeistert werden, auch das, dass das geschmolzene Blei für den Satz in der winterlichen Kälte zu schnell erstarrte und die spanischen Setzer kein Wort Deutsch verstanden.

Die Schwierigkeiten kamen von anderer Seite. Die politische Leitung der Interbrigaden und die Vertretung der KPD in Spanien versuchten, wie schon erwähnt, mit allen Mitteln, das Erscheinen des Buches zu verhindern. Obwohl er das Manuskript gar nicht kannte, hatte Franz Dahlem, der in der Nachfolge des am 1. Dezember 1936 bei Madrid umgekommenen Hans Beimler der verantwortliche Vertreter der KPD in Spanien war, am 10. November 1937 vor seiner Abreise Kantorowicz eine Nachricht mit folgendem Inhalt hinterlassen: „Das Buch muss: 1. ein Teilbild sein des spanischen Freiheitskrieges; 2. muss widerspiegeln ein Stück des Lebens der XIII. Brigade, deren Bestandteil das Bataillon war; 3. muss widerspiegeln die engste Solidarität der Spanier mit den Internationalen; 4. muss widerspiegeln die internationale Volksfront besonders mit dem französischen Bataillon. Das muss garantiert werden. Und deshalb ist eine kollektive Besprechung mit Gómez, Schindler, Ewald Fischer nötig, das heißt, eine Umarbeitung des Buches. Auf mehrere Wochen kommt es bei solchem Buch nicht an.“ [2] Schindler (d.i. Albert Schreiner) war Stabschef und Ewald Fischer (d.i. Ewald Munschke) war Politkommissar der XIII. Brigade gewesen.

Kantorowicz begriff sofort, dass Dahlem Zeit gewinnen wollte. Zudem hatte er mit etwa zwanzig Personen des Bataillons und der früheren Brigadeführung gesprochen, die ihm alle ihre Zustimmung versicherten. Ebenso war er sicher, dass die Führung der XI. Brigade, der er 1. unterstand und die ihn 2. mit der Abfassung dieses Buches beauftragt hatte, solidarisch zu ihm stand. Um sich das bestätigen zu lassen und auch seine Person aufzuwerten, schrieb er am 13. Januar 1938 an Heiner (Heinrich) Rau, zu dieser Zeit Kommandeur der XI. Internationalen Brigade, und bat ihn, ihm bei der Erlangung der spanischen Staatsbürgerschaft behilflich zu sein. Außerdem meinte er, dass eine Rangerhöhung zum  Capitán (er war zu diesem Zeitpunkt Teniente, also Leutnant) der Herausgabe seines Buches dienlich und für Lesungen im Ausland förderlich sei. An englischen Universitäten und in den USA würde seine Person, wäre er Captán der Spanischen Volksarmee, viel ernster genommen. Er verkniff sich nicht die Anspielung, dass gerade die deutschen Freiwilligen einen großen Anteil der Offiziersdienstgrade bei den Internationalen stellte und warnte vor der hypothetischen an ihn gerichteten Fragestellung, weshalb er nach über einem Jahr als Offizier bei den Brigaden und als verantwortlicher Redakteur  der deutschen und französischen Ausgabe des „Volontario de las Libertad“ noch immer nur Leutnant wäre. [3]  Aber ohne eine Entscheidung hinsichtlich des erwähnten Briefes abzuwarten, hinterlegte er einen Durchschlag des Manuskripts im Generalkommissariat in Barcelona und beschloss, das Buch auch ohne Druckgenehmigung herauszubringen. Aber die politisch Verantwortlichen hatten den hinterlegten Durchschlag sehr wohl gelesen, waren inzwischen aber auch darüber informiert worden, dass Kantorowicz die Drucklegung ohne Genehmigung betrieb. Am 1. Februar 1938 erhielt er ein Schreiben von Fritz Arndt (d.i. Karl Mewis, einige Zeit Leiter der Militärabteilung des Ausländerdienstes des Partido Socialista Unificado de Cataluña, PSUC, also der katalanischen Kommunisten, und in dieser Zeit Vertreter von Franz Dahlem) folgenden Inhalts: „Da für das Tschapaiew-Buch noch einige Änderungen vorgenommen werden müssen, ist es notwendig, dass Du sofort den begonnenen Druck aufhältst und weitere Anweisungen von uns erwartest. gez. Fritz Arndt.“  [4]

Da aber der größte Teil des Buches schon gesetzt war, hatte Kantorowicz nicht die Absicht, den Druck aufzuhalten, im Gegenteil. Um das Tempo zu steigern, beauftragte er, wie erwähnt, eine zweite Druckerei. Da erreichte ihn und seine Frau Friedel der Befehl, sofort nach Barcelona zu kommen und sich Gallo (d.i. der italienische Kommunist Luigi Longo), dem Generalinspekteur und Generalkommissar der Internationalen Brigaden, zur Verfügung zu stellen.

Der Brief, dessen Durchschlag erhalten blieb [5], hatte folgenden Wortlaut:

 

9.III.38                                                                                        14. Feb. 1938

Gen. Kantorowitch

Commissariat des Brigades Internationales

Velasquez

Madrid

 

Lieber Genosse.

Ich bestätige den Befehl, der Dir gegeben worden war, dass Du sobald als möglich hierher nach Barcelona kommen sollst. Beiliegend übersende ich Dir eine Kopie des Berichtes über das Manuskript Deines Buches „Bataillon Chapaieff“, mit dem ich vollkommen einverstanden bin. (Mit dem Bericht).

Ich bitte Dich, Dich an die Schlussfolgerungen aus diesem Bericht halten.

Mit antifaschistischen Grüssen

L´Commissaire Deluege de Guerre

Inspektor des Brigades Internationales

Luigi Gallo

 

Handschriftlich: Hat sich absolut  geweigert zu kommen. A. Marty

 

 

Während seine Frau nach Barcelona reiste, blieb Kantorowicz in Madrid. Er rechnete damit, wegen Befehlsverweigerung verhaftet zu werden. Und tatsächlich wurde es ernst: Hätte ihn der Verwalter des Hauses der Interbrigaden in der Calle Velázquez nicht gewarnt, dass André Marty, der Vorsitzende des Obersten Kriegsrates der Brigaden, der gerade im Hause die XIV. Brigade inspizierte, bei dieser Gelegenheit mit einer Gruppe Bewaffneter auch nach einem „Serben“ fahnde, Kantorowicz wäre vermutlich vor dem Erscheinen des Buches verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt worden. Erst später begriff er, dass er mit seiner Weigerung fast zum Deserteur geworden war.

Am 14. März 1938 war das Buch ausgeliefert worden. Wie Kantorowicz schrieb, fuhr er mit dem Buch sofort nach Barcelona:

„Am 16. März vormittags in Barcelona. Ich ließ mich dienstlich bei Generalkriegskommissar Gallo melden und wurde sofort vorgelassen. Gallo saß in Uniform an einem großen, leeren Schreibtisch. Hinter ihm stand ein Mann von mittleren Jahren in Zivil. Ich hatte einen Band des Tschapaiew-Buches in der linken Hand, salutierte, trat zum Schreibtisch, legte das Buch vor Gallo, trat zurück und sagte: < Camarade Gallo, voilà le livre de mon Bataillon. Maintenant vous me arrêter.> Gallo sah mich an. Dann öffnete er schweigend den Band. Der Mann hinter ihm sah interessiert über seine Schulter. Ich blieb in Habachtstellung drei Schritte vom Schreibtisch entfernt stehen. Es werden etwa zwanzig Minuten vergangen sein, während Gallo und der Fremde immer interessierter in dem Buch blätterte.

Der Fremde besonders wies auf einzelne Fotos und Überschriften der Beiträge von Kameraden der verschiedenen Nationalitäten hin. Dann sah er mich an und sagte:<Enfin.> Endlich war auch ein deutsches Buch über die Kämpfe der Interbrigaden erschienen, und es machte einen guten Eindruck. Er kam hinter dem Schreibtisch hervor, schüttelte mir die Hand, und nun lächelte auch Gallo. Der Fremde war Togliatti. Damit hatte ich meinen Privatkrieg gewonnen.“ [6]

Palmiro Togliatti, einige Zeit stellvertretender Generalsekretär des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), war unter dem Decknamen „Alfredo“ oder auch „Ercoli“ der ranghöchste Vertreter dieser Organisation in Spanien. Er stand damit weit über dem misstrauischen und cholerischen André Marty, der als Sekretär des Präsidium des EKKI mit der politischen Leitung der Internationalen Brigaden betraut war. Marty war vermutlich in dieser Funktion überfordert, deshalb vermutete er überall Feinde, Renegaten und Abweichler. Für die ihm angedichteten Verbrechen gibt es allerdings keine Beweise. Wenn ihn aber die KPD-Führung in Spanien davon unterrichtet hatte, und anders lässt sich seine Suche nach dem „Serben“ nicht erklären, dass Kantorowicz unkontrolliert ein Buch veröffentlicht, in dem eventuell nicht die Linie der Partei vertreten wurde, dann ist es durchaus möglich, dass Marty gegen ihn aktiv wurde. Verschwiegen soll aber auch nicht werden, dass André Marty die Deutschen und auch die deutschen Kommunisten nicht mochte.

Den Grund, weshalb die KPD-Führung in Spanien das Buch verhindern wollte, lag, wie Kantorowicz viel später meinte,in der Gefahr, dass bei der Niederschrift nicht die neuesten Sprachreglungen der Partei, eventuelle Änderungen in der Funktionärshierarchie (immerhin entstand das Buch zur Zeit der großen Prozesse in der Sowjetunion!) berücksichtigt  wurden oder sich herausstellte, dass der eine oder andere Genannte ein „Parteifeind“, „Trotzkist“, „Spitzel“ oder sonstiger Feind war. Auf die Idee aber, dass er selbst das Problem war, ist Kantorowicz auch in den späteren Jahren nicht gekommen.

Natürlich konnte er die geheimen Akten nicht kennen, die erst nach der Öffnung der sich in der Sowjetunion befindlichen Archive ans Tageslicht kamen. Gegen Ende des Spanischen Krieges war es gelungen, das nahezu komplette Archiv der Internationalen Brigaden nach Moskau zu evakuieren. In diesem Archiv befinden sich auch die Akten der Abteilung Abwehr und Gegnerarbeit der KPD, die in Spanien relativ unabhängig von den spanischen Nachrichtendiensten und äußerst konspirativ gearbeitet hatte. Diese Abteilung war einerseits an die Deutsche Kaderabteilung in Albacete und andererseits an die sogenannten „Delegationen der Internationalen Brigaden“ in Madrid, Valencia, Barcelona und Figueras angebunden. Eine weitere Basis war der genannte Servicio extranjero del PSUC, in dem deutsche Kommunisten überproportional vertreten waren. Der KPD-Abwehr, auch als „KPD-Nachrichtendienst“ bezeichnet, war schon zeitig die Ankunft Kantorowicz´s in Spanien avisiert worden. Gleichzeitig hatte man Informationen über seine Kontakte gesammelt. Es stellte sich schnell heraus, dass es sich dabei durchweg um Personen handelte, die der KPD verdächtig waren. In einer mit „Valencia 24. März 1937“ gezeichneten „Materialzusammenstellung Betr. Trotzkisten/ POUM“ heißt es: „Rudolf Selke, Valencia. In Moskau erfuhr Kantorowitsch (so im Original, W.A.), dass sich Rudolf Selke in Spanien aufhaelt in einem Gespräch mit Willi Bredel. W.B. uebertrug muendliche Gruesse an S. durch Kantorowitsch. Vermutlich datiert die Bekanntschaft zwischen Selke und W. Bredel aus der Hamburger Zeit. Muendliche Gruesse an Selke wurden Kantorowitsch auch aufgetragen durch die Genossin Annenkowa, Chefredakteurin der D.Z.Z. – Am 12.11.36 reiste Kantor. von M. ab – In Paris erhielt Kantor. von Maria Osten eine Einfuehrung an Selke. Selke vermittelte in Valencia die Reise nach Madrid. In Madrid wurde Selke dem Kantor. vom Genossen Kolzow empfohlen. Auf dessen Empfehlung hat K. mit Selke gearbeitet. Sachlich hatte K. mit Selke bis vor 6 Wochen Verbindung. 18.3.37“. [7]

Alfred Kantorowicz ahnt ebenso wenig die Gefährdung seiner Person wie George Orwell, der als „Erich Blair“ in Spanien vom KPD-Nachrichtendienst gesucht wurde.[8]Julia Annenkowa, die Chefredakteurin der in Moskau erscheinenden Deutschen Zentral-.Zeitung, wurde kurze Zeit später, am 31.Mai1937, verhaftet. Sie verstarb am 25. Mai 1939 im Gulag. Rudolf Selke, geb. 1902, und seine Schwester Angela, geb. 1903, beide waren vor dem 1. Weltkrieg aus Odessa nach Deutschland übersiedelt, galten als gefährliche Trotzkisten, vor denen immer wieder gewarnt wurde. Selke, der von 1921 bis 1928 Mitglied der KPD gewesen war, hatte die Tochter August Thalheimers, des Theoretikers der KPD/O, geheiratet. Er hatte bei Friedrich Pollock am Frankfurter Institut für Sozialforschung gearbeitet und für den Malik-Verlag Sergej Tretjakow, Ilija Ehrenburg und Matwej Liebermann aus dem Russischen übersetzt. Er emigrierte 1934 mit seiner Schwester nach Spanien und lebte auf Ibiza. Angela arbeitete wissenschaftlich über eine uralte jüdische Gemeinschaft auf den Balearen, ein von ihr verfasstes Buch über dieses Thema wird auch heute noch aufgelegt. Die Geschwister betrieben auf Ibiza eine Bar, in der Linke und Antifaschisten aller Couleur verkehrten. In den Augen des KPD-Nachrichtendienstes war diese Bar allerdings ein Hort von Agenten und Gestapo-Spitzeln. Im Bürgerkrieg stellten sich beide sofort der Republik zur Verfügung, Rudolf Selke kämpfte in einer der besten Miliz-Einheiten an der Front und arbeitete dann unter dem Minister Alvarez del Vayo in der Informationsabteilung des Außenministeriums. Angela Selke, Mitglied der Juventud Comunista Ibérica, des Jugendverbandes des POUM, war im Propaganda-Ministerium tätig. Sie heiratete Antonio Sánchez Barbudo, einem der Gründer der Avantgarde-Zeitschrift „Hora de España“. Mit ihm übersetzte sie später im mexikanischen Exil Anna Seghers´“Transit“ ins Spanische. Aber auch Ludwig Renns Buch „Warfare. The relation of war to society“, bisher nur in Englisch in London (1939) und New York (ebenfalls 1939) erschienen, war von Angela Selke und ihrem Mann 1940 für die mexikanische Veröffentlichung ins Spanische übersetzt worden.

Rudolf Selke schrieb für Exilzeitschriften, so auch für die Neue Weltbühne in Prag, und  übersetzte dann, ebenfalls in Mexiko im Exil, Rudolf Rockers´ Max-Nettlau-Biographie.

Der KPD-Abwehr war es in Spanien zweimal gelungen, Selke aus seiner Funktion zu drängen. Dass er nicht verhaftet wurde, lag wohl daran, dass sich Michail Kolzow, der sich oft für längere Zeit in Spanien aufhielt, schützend vor ihn stellte. Das wird auch für Kantorowicz zugetroffen haben, der nicht erst seit Spanien mit Kolzow bekannt war. Der Einfluss, den Kolzow in Spanien hatte, ist nicht zu unterschätzen. Sicher ist, dass er zu den ganz wenigen gehörte, die Stalin direkt über Spanien berichten und von ihm Anweisungen empfangen konnten. Das idealisierte Bild, das z.B. Ernest Hemingway in „Wem die Stunde schlägt“ mit der Figur des sowjetischen Journalisten Karkow von Kolzow zeichnete und zu dem wahrscheinlich auch Kantorowicz bei seinen Begegnungen mit Hemingway beigetragen hatte, bedarf wohl an einigen Stellen einer Revision.

Zunächst bleibt aber: Michail Kolzow wurde ebenso ein Opfer der Stalinschen Repressionen wie Maria Osten. Damals noch mit ihrem richtigen Namen Maria Greßhöner   hatte Maria Osten im Malik-Verlag Rudolf Selke kennengelernt. Die KPD-Abwehr hatte aber noch eine andere Verbindung „aufgedeckt“, wozu es sicher nicht ohne Zutun des   auch in Spanien aktiven NKWD gekommen war. Es existiert in den Unterlagen der KPD-Abwehr ein mit Hand gezeichnetes Schema mit dem Titel „Querverbindungen der Trotzkisten über Münzenbergkreise zur Partei“ [9]. Wenn es für die Beteiligten nicht so gefährlich gewesen wäre, könnte man annehmen, dass diese Skizze Ausdruck der Intellektuellenfeindlichkeit der KPD oder das Produkt überschäumender Phantasie gewesen war. In der Mitte dieser Skizze befindet sich, dick eingerahmt, Maria Osten, von ihr aus gehen Linien zu Kantorowicz, zu Gustav Regler, Bodo Uhse, Hans Kahle, Albert Schreiner und Arthur Koestler einerseits und zu Margit Kurcz, Alexander Maas, Egon Erwin Kisch, Ernst Busch, Kurt und Ruth Stern andererseits. Alle Linien treffen sich dann bei Willi Münzenberg und seinen Mitarbeitern Otto Katz und Louis Dolivet in Paris. Der größte Teil der genannten Personen gehörte zum Freundes- oder wenigstens zum Gesprächskreis von Alfred Kantorowicz. Hans Kahle, der zweite Kommandeur der XI. Internationalen Brigade und später der 45. Division der Spanischen Volksarmee, war ein enger Freund über den spanischen Krieg hinaus. Kahle war auch eng befreundet mit Erika Mann und eingeladen von Thomas Mann in dessen Haus in Princeton. Er bekam aber kein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten. Hans Kahle musste alle Bitternisse des Exils durchlaufen, bis er in Kanada, später in England einreisen durfte. Er blieb aber ein entschiedener Antifaschist und Kommunist. Dass er aber von der KPD überwacht worden war, und das nicht nur wegen seinem guten Verhältnis zu Julius Deutsch und Erich Kuttner, das ist ebenso erschreckend wie die Tatsache, dass das auch Ernst Busch, der noch dazu eine enge Beziehung zu Maria Osten hatte, nicht erspart blieb.

Mit diesem Hintergrund, von dem Kantorowicz bis zu seinem Lebensende sicher nichts wusste, ist die Absicht der Verantwortlichen der KPD in Spanien zu erklären, das von ihm zusammengestellte Buch zu verhindern. Dabei versuchten sie, das von Kantorowicz gesammelte Material, also die Archivalien und Beiträge der Zeitzeugen in ihre Hände zu bekommen. Ein typisches Beispiel dafür ist ein Brief der KPD-Abwehr, geschrieben am 16.9.1937 in Albacete, der Base der Internationalen Brigaden. In einem mit „Wilhelm“ gezeichneten Brief an „Herbert Valencia“ heißt es: „Inzwischen haben wir schon durch Franz Trautsch erfahren, dass sich die Materialien der 13. Brig. in den Händen von Kantorowitsch (so im Original, W.A.) befinden. Willi und Albert Madrid, die uns vor einigen Tagen besuchten, haben von uns die Anweisung erhalten, bei Kantorowitsch die Sachen zu reklamieren. Wie weit sie schon gekommen sind, konnten wir noch nicht erfahren. Wilhelm Albacete.“ [10]

Auch dem KPD-Nachrichtendienst war es weder gelungen, das von Kantorowicz gesammelte Material zu bekommen, noch sein Buch zu verhindern. Aber man hat ihm das Buch auch später nicht verziehen. 1939/40 schrieb Gustav Szinda, der in Spanien Offizier und Sicherheitsmann bei den Internationalen Brigaden und Mitglied der Kommission für ausländische Kader beim ZK der KP Spaniens war, im Auftrag der Komintern Charakteristika der Spanienkämpfer, die zur deutschen Sprachengruppe (Deutsche, Österreicher, Niederländer, Schweizer und Skandinavier) gehörten. Ihm standen alle nach Moskau geretteten Archive der Interbrigaden und der KP Spaniens zur Verfügung. Szinda, der später beim Ministerium für Staatssicherheit der DDR Karriere machen sollte, war auf ausdrücklichen Wunsch André Martys mit dieser Aufgabe betraut worden. Auf Grund der Informationen, die ihm zur Verfügung standen, hätte er es besser wissen müssen, als er schrieb: „ Nr. 887. Kantorowicz Alfred. Kam im Dezember 1936 nach Spanien zur 13. Brigade, wurde Leutnant und war Informationsoffizier im 8. Batallion. Ueber seine Tätigkeit als Offizier ist uns nichts bekannt. Er beschäftigte sich mehr schriftstellerisch in Spanien.

11.2.40. Gustav [11]

Als Szinda dies im für ihn sicheren Moskau schrieb, sah Kantorowicz, in Frankreich im Lager Les Milles als „feindlicher Ausländer“ interniert, noch einer ungewissen Zukunft entgegen. Erst vier Monate später konnte er nach Marseille fliehen und in letzter Minute in die USA emigrieren.

Sicher, Alfred Kantorowicz war ein kritischer Kommunist, aber er war lange nicht zu solchen Konsequenzen bereit, wie sie z.B. Willi Münzenberg oder Gustav Regler zogen. Reglers Bruch mit der KPD und sein Verhalten im Internierungslager Le Vernet hat ihm Kantorowicz lange nicht verziehen. Regler hatte auf dem Internationalen Kongress zur Verteidigung der Kultur im Juni 1935 in Paris in seiner Rede behauptet, die KPD hätte 1933 eine fehlerhafte Politik betrieben und sei auf den Machtantritt der Nationalsozialisten nicht vorbereitet gewesen. Das hatte ihm natürlich den harschen Zorn der KPD-Führung eingebracht, der zu einem Kesseltreiben gegen ihn ausartete. Mit seinem Gedicht „Der Genosse L. hat einen Fehler gemacht“, hatte Kantorowicz versucht, dem Freund und Genossen zur Seite zu stehen.[12] Das wiederum brachte Kantorowicz scharfe Vorwürfe der Parteiführung ein, die ihn auf Grund seiner schriftstellerischen Versuche ohnehin nicht schätzte. Im Komintern-Archiv in Moskau ist in der Ablage „Sekretariat Wilhelm Pieck“ zum Bespiel der Briefwechsel zwischen Kantorowicz und Pieck zu finden. In diesen Briefen ging u.a. auch darum, dass sich kein der KPD nahestehender Exil-Verlag bereit gefunden hatte, ein Buchmanuskript von Kantorowicz anzunehmen. Willi Bredel hatte Kantorowicz bei Pieck denunziert, dieser würde über den Vizepräsidenten und Sekretär der Auslandskommission des Sowjetischen Schriftstellerverbandes, Michail Apletin, versuchen, sein Manuskript „Der 5. März“ an den Schweizer Verleger Emil Oprecht zu schicken. Auch Johannes R. Becher hatte an die „Deutsche Vertretung des EKKI“, also letztlich zu Händen Wilhelm Piecks, geschrieben: „,.. empfehle ich Euch dringend, Einsicht zu nehmen in den von Gen. Kantorowics (so im Original, W.A.) in Arbeit befindlichen Roman, der, wenn er unkontrolliert in einem bürgerlichen Verlag erscheint, mindestens ausserordentliche Missverständnisse verbreiten wird.“ [13]

Kantorowicz hatte in dem (bis heute vollständig unveröffentlichten) Roman die Tage zwischen dem Reichstagsbrand und den Wahlen zum Reichstag am 5. März 1933 geschildert und mit den Gesprächen, die der Kommunist Paul, in dem sich Kantorowicz offensichtlich selbst darstellte, mit verschiedenen Personen führt, versucht zu ergründen, wie es zu dieser katastrophalen Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung kommen konnte. Der Partei, die nicht von einer Niederlage ausging, konnte diese Defensivposition natürlich nicht recht sein. Schon gar nicht, dass durch die gegenständliche Erzähltechnik Kantorowicz´s mit der Nennung von realen Personen und Lokalitäten der Roman die Dimension eines Berichtes erhielt, der unter Umständen als ein Dokument der Partei hätte angesehen werden können. Einige Kapitel aus dem Buch, unter anderem das über den „Standartenführer Krencker“ hatte Kantorowicz seinen Schriftstellerkollegen in Paris vorgelesen. Anwesend waren Egon Erwin Kisch, Gisel Kisch, Gustav Regler, Bodo Uhse, Kurt Stern und Willi Bredel. Trotz Nuancen in der Bewertung war die Ablehnung einhellig. Der „Standartenführer Krencker“, den Hugo Huppert für die in Moskau erscheinende Zeitschrift „Internationale Literatur“ ablehnte, erschien dann 1937 in der französischen Zeitschrift „Europe“ und 1947 in Kantorowicz´s Buch „Porträts. Deutsche Schicksale“.

 

Am 30.10.1936 schrieb Wilhelm Pieck einen dreiseitigen Brief an Kantorowicz, der für das Romanmanuskript vernichtend ausfiel. In dem Brief ist u.a. zu lesen: „Ich sehe keine Möglichkeit, das vorliegende Manuskript durch Streichungen oder Einfügungen zu einem guten Roman zu gestalten…Ich bitte Sie … mein kritisches Urteil, meine ablehnende Meinung über Ihre Arbeit mir nicht zu verübeln, sondern darin das Bestreben zu sehen, Ihnen zu helfen, über Schwierigkeiten in Ihrer Arbeit hinwegzukommen, die zum Teil auch in politischen Unklarheiten und Zweifeln begründet sind, zu deren Behebung allerdings eine längere gründliche Aussprache notwendig wäre… Es liegen über diese Fragen, wie die über die Ursachen der Niederlage des deutschen Proletariats im Januar 1933, über die von der Partei gemachten taktischen Fehler politische Dokumente vor. Ob allerdings diese Fragen für einen Romanstoff geeignet sind, scheint mir sehr zweifelhaft. Und der Inhalt Ihres Manuskriptes zeigt, das das Eingehen auf diese Fragen nicht zu einer Klärung, sondern zu noch grösserer Verwirrung geführt hat. Dazu sind die Fragen viel zu kompliziert, als dass sie mit ein paar Phrasen aus dem Munde eines Kommunisten abgetan werden könnten.“ [14]

Dass Wilhelm Pieck zu den kommunistischen Führern gehörte, die mit weit größeren Phrasen diese Niederlage kaschieren wollten, wäre ihm wohl selbst nicht in den Sinn gekommen. Aber Kantorowicz war nun stigmatisiert, denn die Bescheinigung von „politischen Unklarheiten“ und „Zweifeln“ hätten ihm, wäre er in Moskau geblieben, zu dieser Zeit vielleicht das Leben gekostet. Es nutzte Kantorowicz auch nicht viel, dass er am 4. 11., also kurz vor seiner Abreise nach Paris, einen ziemlich devoten Brief an Pieck schrieb, in dem er ihn, im Gegensatz zu Pieck ihm gegenüber, duzte: „Sehr verehrter und lieber Genosse Pieck, ich habe nach aufmerksamer Lektüre Deines Briefes die Dir vorgelegte Arbeit eingesargt. Ob ich mich in absehbarer Zeit dran machen kann, den Stoff umzuformen, weiss ich im Augenblick nicht; es scheint eher nein als ja. Es war – das versteht sich – nicht leicht für mich, von Dir (und anderen Genossen) zu hören, dass diese Arbeit, auf die ich im Gedränge der Tagesaufgaben allzu wenig Zeit verwenden konnte, in die ich aber viel Liebe und Hoffnung investiert habe, für den antifaschistischen Kampf wertlos ist. Dennoch empfand ich, wenn ich von der verständlichen persönlichen Enttäuschung absah, eine grosse Freude über diesen Brief, der so klar und mit so erschöpfendem Verständnis die Aufgaben und die vielfältigen Probleme, die vor antifaschistischen Schriftstellern stehen, darlegt. Mir hat diese Kritik weitergeholfen  – und nicht nur dadurch, dass sie mich davor bewahrt, eine schief angelegte und ganz unausgeführte Arbeit vorzeitig den Verlagen anzubieten. Es wird, denke ich, in Deinem Sinne sein, wenn ich mit den Genossen in Paris Deinen Brief durchspreche.“ [15]

In Wirklichkeit war Kantorowicz´s Enttäuschung weit größer, als er in seinem Brief an Pieck zugab. Seinen „Nachtbüchern“ vertraute er am 31. Oktober 1936 an: „Also ist der Roman erledigt?  Er <rät> zwar mir, den Roman nicht herauszugeben. Aber das ist fast schon ein Verbot. Aber auch ohne das waren die Chancen gering. Ich erwartete mir wenig Unterstützung von Seiten der Partei. Dennoch bin ich so zerschlagen, dass mir nicht einmal der Zorn hochkommt. Ich frage mich allen Ernstes: Täusche ich mich ganz und gar über meine Fähigkeit: zu schreiben. Mit 37 Jahren sollte es am Tag sein. . . Im Augenblick erscheint es mir, als sei es das Sauberste, irgendwo an der Front in Spanien zu bleiben, damit es Ruh´gibt und ein Ende hat.“ [16]

 

Es ist nicht bekannt, ob es in Paris noch zu dieser Aussprache gekommen ist, denn Kantorowicz verließ Frankreich am 20. Dezember 1936 in Richtung Madrid. Da aber Pieck im Postskriptum zu seinem Brief angekündigt hatte, er würde diesen Brief auch den „hiesigen Freunden“ (also den in Moskau befindlichen deutschen kommunistischen Funktionären) zur Verfügung stellen, muss auch davon ausgegangen werden, dass die Abschnittsleitung West der KPD in Paris davon Kenntnis erhielt. Einer, der diese Informationen dann gekannt haben wird, war „Moritz“ [17]„Sicherheitsmann“ bei der Abschnittsleitung West. Kantorowicz hatte in Paris, wie er in den „Nachtbüchern“ erwähnte, „Moritz“ einige Male getroffen, so dass dieser sich schon vor Spanien ein persönliches Bild von ihm machen konnte. Weit wichtiger aber ist für unsere Geschichte, dass „Moritz“ einer der ersten deutschen Kommunisten war, die von der Partei nach Spanien geschickt wurden. Dort kämpfte er zunächst in der Centuria „Thaelmann“, gewissermaßen einer Urform der Internationalen Brigaden. Danach wurde er über den Servicio especial de extranjeros, den Kaderdienst für Ausländer der katalanischen Kommunisten, als „interrogador“, also als eine Art Verhörspezialist für Ausländer, vom katalanischen Sicherheitsdienst übernommen. Eine Vielzahl seiner Berichte beweisen, dass er gleichzeitig zum konspirativ tätigen Nachrichtendienst der KPD in Spanien gehörte. Für diesen war es offensichtlich unkompliziert, wie es nicht nur der Fall Kantorowicz zeigt, alle relevanten Informationen über die Spanien-Freiwilligen auch aus dem Ausland zu bekommen. Ohnehin war zudem jeder der Freiwilligen mehrfach überprüft worden. Und neben den Akten der Kaderleitung gab es die der Abwehr. Es waren also viele Bausteine, aus dem sich das Dossier Kantorowicz zusammensetzte. Die Ablehnung der KPD, Kantorowicz das Tschapaiew-Buch schreiben zu lassen, hatte damit viele Gründe. Einer allein wäre schon ausreichend gewesen.

Aber Kantorowicz konnte diesen „Privatkrieg“ mit Hilfe von Ercoli (Togliatti) zunächst gewinnen. Was diesen letztlich in seiner Entscheidung bestimmte, das Tschapaiew-Buch zu genehmigen, wird nicht mehr festzustellen sein. Aber es gab für Togliatti mit Bestimmtheit Schwerwiegenderes als dieses Buch. Die militärische Lage der Spanischen Republik hatte sich ernsthaft verschlechtert. Im Februar 1938 kamen die ersten Gerüchte auf, die davon sprachen, die Internationalen Brigaden abzuziehen. Das geschah dann sieben Monate später tatsächlich. Es gab Auflösungserscheinungen und Unmut und es kamen weniger Freiwillige. Viele waren desillusioniert. Die politische Führung der Interbrigaden hatte, das war sicher auch Togliattis Meinung, Wichtigeres zu tun, als den Kampf gegen ein Buch zu führen.

Mit dem Erscheinen des Buches änderte sich die Situation für Kantorowicz zunächst grundlegend: Sein Buch wurde plötzlich als beispielgebend hingestellt. Etwa zeitgleich mit Kantorowicz war auch Willi Bredel mit der Abfassung eines Buches beauftragt worden. Er sollte im Auftrag der Brigadeleitung und des Generalkommissariats der Interbrigaden die Geschichte der XI. Internationalen Brigade schreiben, der „deutschesten“ aller Brigaden, wie sie oft als Anspielung auf die überwiegend deutschen Kommandeure und Kommissare und den hohen Anteil deutscher Freiwilliger genannt wurde. Bredel, der schon als Schriftsteller bekannt war, schien aber noch einen anderen Vorteil zu haben, der ihn für dieses Buch prädestinierte. Von Juli bis Oktober 1937 war er Kommissar des Ernst-Thälmann-Bataillons der XI. Brigade gewesen. Das Buch war ursprünglich auf drei Bände angelegt, der erste Gutachter war Heinrich Rau, unter dem Namen „Heiner“ vom Mai bis September 1937 Kommissar, von Oktober bis Dezember 1937 und von Januar bis März 1938 Kommandeur der XI. Brigade. Ihm assistierte Richard Staimer, vom Dezember 1936 bis Februar 1937 Kommandeur des Ernst-Thälmann-Bataillons und von April 1937 bis Dezember 1937 Kommandeur der XI. Brigade. Die leider nicht datierte und als „Rezension“ bezeichnete Kritik am Manuskript Bredels geriet zum Totalverriss, in dem sich Sätze finden wie dieser: „Bredel übergiesst alles mit einer dicken Schicht Öl, er glättet die wirkliche Geschichte und macht sie uninteressant.“ [18] Abgesehen davon, dass die drei Bände auf einen reduziert wurden, weil drei Bände nicht zu verkaufen gewesen wären, kommt dann aber der überraschende Hinweis: „Was die <Geschichte der XI: Brigade> anbelangt, so muss man sagen, dass dieser erste Teil ganz und gar enttäuscht. Man sehe sich an, was Kantorowicz mit einfachen Mitteln aus den Kämpfen nach dem Fall von Malaga und in der Sierra Nevada gemacht hat, bedeutungsvolle Kämpfe, aber weniger bedeutend als die Kämpfe der XI. Brigade bei Madrid vom November 1936 bis Januar 1937. Bredel verstand es nicht, diese Kämpfe, ihre Bedeutung lebendig zu machen. Er verstand nicht, das Wesentliche aus dem sicherlich großen vorhandenen Material herauszuholen, einzelne Erlebnisse, die das ganze Geschehen beleuchten und begreiflich machen. Von einem in der Welt schon bekannt gewordenen Schriftsteller wie Bredel muss man Besseres verlangen. Ich denke, dass der Abdruck des Manuskripts, wie es jetzt vorliegt, nicht empfohlen werden kann.

Das von Kantorowicz herausgegebene Buch vermittelt wirklich Leben und Kämpfe eine internationalenTruppe und zeigt die Problematik der Lage im republikanischen Spanien, soweit es zum Verständnis der Geschichte des Bataillons notwendig ist. Dieses Buch ist erregend und begeisternd. Ich empfehle die Herausgabe dieses Buches in russischer Sprache.“ [19]Der an Bredel gerichtete Vorschlag, er möge sich ein Beispiel an Kantorowicz nehmen, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie und muss ihn empfindlich getroffen haben. Denn gerade Bredel war es, der Kantorowicz den indirekten Vorwurf des „nichtbolschewistischen Pessimismus“ machte. Und das in einer Situation, in der jedes Wort gefährlich sein konnte. Während der geschlossenen Parteiversammlung der deutschen Kommission des Sowjetischen Schriftstellerverbandes, die zu einer Art Tribunal geraten war, sagte Bredel, hervorhebend, dass es nicht darum ginge, Bücher für die Ewigkeit, sondern für den Kampf gegen den Feind zu schreiben, folgendes: „Kantorowicz, der ein guter Genosse ist und viel arbeitet und mit all seiner gelegentlichen Schwäche trotzdem restlos zur Partei steht, mit ihm hatte ich ein Gespräch (in Paris, W.A.). Wir hörten, dass in Spanien eine Stadt gefallen war. Er sagte: Wenn Spanien in die Brüche geht, dann ist alles verloren. Ich sagte: Mensch, wenn in Spanien der Faschismus siegt, so müssen wir jetzt schon vorher alles tun, um das zu verhindern. Wie kann man eine solche pessimistische Haltung einnehmen. Ich habe ihm gegenüber dann gesprochen über die große Französische Revolution, wo 2000 Reaktionäre umgebracht wurden, dann von Danton, wie er das französische Volk zur Revolution begeisterte, dann über die damalige Situation in Rußland. Die halbe Ukraine von Deutschen besetzt, das ganze Sibirien in den Händen Koltschaks, Judenitsch vor Leningrad, Denikin vor Moskau – und da sagt ein Kommunist – alles ist verloren. Dann ist wirklich alles verloren. Aber die Bolschewiki von damals, die waren aus dem besonderen Guß wie Stalin. Wir müssen eben lernen, in den kritischen Situationen unseren Mann zu stehen.“[20]

Bredels Buch erschien dann unter dem Titel „Begegnung am Ebro. Aufzeichnung eines Kriegskommissars“ 1939 zunächst im Pariser „Verlag 10. Mai“. Der Name des Verlags bezog sich auf den 10. Mai 1933, den Tag der Bücherverbrennung in Nazi-Deutschland. Gegründet wurde der Verlag unter der aktiven Mitwirkung Bredels von der Internationalen Schriftstellervereinigung zur Verteidigung der Kultur, aber sicher auch, um 1. die empfindliche Lücke zu schließen, die mit der Einstellung der Tätigkeit von Willi Münzenbergs „Editions du Carrefour“ entstanden war, und um 2. den inzwischen von Münzenberg gekauften und betriebenen Sebastian-Brant-Verlag ernsthaft Konkurrenz zu machen. Der „Verlag 10. Mai“ erhielt aber dann offensichtlich nicht die finanziellen Mittel aus der Sowjetunion und von der Komintern, obwohl Bücher namhafter deutscher Schriftsteller geplant waren, ist wohl nur „Mut“ von Heinrich Mann erschienen. Bredels Buch wurde dann im gleichen Jahr der Pariser Ausgabe in Kiew im „Staatsverlag der nationalen Minderheiten der USSR“ und 1948 im (Ost-) Berliner Verlag „Lied der Zeit“ verlegt. Erst 1977 erschienen im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar die beiden Bände „Spanienkrieg. Zur Geschichte der 11. Internationalen Brigade“. Anzumerken ist hinsichtlich der Empfehlung Heiner Raus, Bredel möge sich von Kantorowicz beraten lassen, dass dieser schon das Manuskript der norwegischen Journalistin Lise Lindbæk  über das Thälmann-Bataillon korrigiert und lektoriert hatte. Linbæk, die mit Rau befreundet war, hatte wie Kantorowicz für die Zeit des Schreibens im Kinderheim der XI. Brigade in Moraleja wohnen können. Am 22.8.1937 schrieb sie von dort an Heiner Rau: „ … anbei Euer Vorwort, von Kantor korrigiert; das spricht wohl für sich selber! – Wir werden zusammen einen Entwurf zu einem besseren machen…Für das Buch habe ich Einleitung und Schluss umgeschrieben und 2 Kapitel beinahe umgearbeitet, alles nach Rücksprache mit Kantor. Er wird wohl morgen, Montag, mit der Korrektur fertig sein…“ [21] Nach fast einem Jahr, im Juli 1938, fragte Luigi Longo beim Kommissariat der XI. Brigade nach, was aus diesem Buch geworden sei. Drauf antwortete ihm Ernst Zöllner vom Kommissariat der Brigade, der für Druckerzeugnisse verantwortlich war, dass das Buch zur Zusammensetzung an die Druckerei gegangen, jetzt aber alles fertig sei. Im Dezember 1937 hätten sich die Kosten auf 27.000 Pesetas belaufen. Wenn jetzt die Imprimatur gegeben würde, könne das Papier zur Verfügung stehen. Möglich aber sei eine Erhöhung des Preises durch die Marktsituation. Die 27.000 Pesetas seien übrigens das Ergebnis einer Subskription. Zöllner betonte auch, dass er den Kommissar der XI. Brigade, Ernst Blank, nicht konsultieren konnte, der aber bisher auch keine Zeit gefunden habe, Gallos Brief zu lesen. [22] Das Buch von Lise Lindbæk läßt sich in einer spanischen Ausgabe nicht nachweisen. Es erschien 1938 in Oslo im Verlag Tiden Norsk mit dem Titel „Bataljon Thalmann“ und 1939 in einer schwedischen Ausgabe im „Solidaritets Förlag“ mit einem Vorwort von Georg Branting unter dem Titel „Internationella Brigaden“. In Spanien war es wohl eine gewisse Verschleppungstaktik, die zum Nichterscheinen des Buches von Lise Lindbæk führte. Aber auch diese Verschleppungstaktik hatte ihre Gründe. In einer Akte mit dem Titel „Listen, Charakteristiken und andere Materialien über Deserteure, Provokateure, Spione, unzuverlässige Personen“ findet sich eine nichtdatierte und mit „A.M.“ unterschriebene Information über Lise Lindbæk. Da das Kürzel „A.M.“ gewöhnlich von André Marty, also dem Vorsitzenden des Kriegsrates der Internationalen Brigaden und hohem Komintern-Funktionär, benutzt wurde, signalisierte damit quasi die höchste Instanz, dass gegenüber Lise Lindbæk massive Vorbehalte bestanden. Marty schrieb: „Lise Lindbaek (so im Otriginal, W.A.). Lise Lindbaek kam wiederholt aus Oslo nach Spanien. Sozialdemokratin. Faktisch schrieb sie völlig falsche Sachen über die Freiwilligen. Sie reiste überall hin. Alles, was wir von ihr wissen, dient der Unterstützung der Trotzkisten“. [23]Natürlich war ein Faktor des Misstrauens Lindbæk gegenüber, dass sie um 1935 ein Jahr mit Max Hodann zusammengelebt und gemeinsam mit ihm ein Buch über die Judenverfolgung geschrieben hatte. Hodann, bei der AMI (Ayuda Médica Internacional) Arzt im Spanischen Krieg, hatte, was seine fachliche Kompetenz und seine politische Zuverlässigkeit angingen, einen denkbar schlechten Stand bei den kommunistischen Funktionären. So ließ z.B. die KPD-Abwehr seinen Postverkehr überwachen und war auch darüber informiert, dass er die Postzensur der Internationalen Brigaden umgehen wollte. Im Februar 1940 schrieb in Moskau Gustav Szinda über ihn: „Er kam Anfang 1937 nach Spanien. Nach längerer Untätigkeit wurde er als Arzt in einem Hospital der Interbrigaden eingesetzt. Er eignete sich nicht als Arzt und wurde zurückgezogen auf Grund seiner politischen Unzuverlässigkeit. In den Hospitälern scharte er alle schlechten Elemente um sich und führte mit ihnen einen Kampf gegen die guten Elemente und versteckt auch gegen die Partei. Hatte Verbindung zu Trotzkisten und trotzkistisch verdächtigen Elementen und trieb auch feindliche Propaganda gegen die UdSSR. Er wurde als Arzt zurückgezogen wegen politischer Unzuverlässigkeit und aus Spanien herausgeschickt. Er steht im Verdacht ein aktiver Trotzkist zu sein, weil es aus seiner Tätigkeit sowie aus seinem Material und aus seinen Verbindungen hervorgeht.“ [24]Man kann sich ungefähr vorstellen, wie das „Material“ aussah, das Szinda zur Verfügung stand, denn er war nicht einfach ein kleiner Funktionär, sondern gehörte in Spanien dem Geheimdienst der Internationalen Brigaden und, was weit wichtiger ist, als Verantwortlicher der deutschen Sprachengruppe (Deutsche, Österreicher, Schweizer, Niederländer und Skandinavier) jener mächtigen Kommission für ausländische Kader beim ZK der KP Spaniens an. Seine „Analysen“, die er über „Die Tätigkeit der feindlichen Elemente in Spanien“ schrieb, lesen sich wie die Anklageschriften der Moskauer Prozesse, vor allem weil er nicht davor zurückschreckte, die nicht parteikommunistischen Linken der Zusammenarbeit mit der Gestapo und allen möglichen „imperialistischen Geheimdiensten“ zu verdächtigen.  [25] Was aber Lise Lindbæk angeht, so wird man sich ihr gegenüber vermutlich dahingehend gerechtfertigt haben, dass die spanische Ausgabe ihres Buches wegen der Zurückziehung der Internationalen Brigaden aus Spanien und der Niederlage der Republik nicht mehr erscheinen konnte. Denn man brauchte sie noch. Heinrich Rau, der 1938 wegen einer Verwundung aus Spanien nach Frankreich evakuiert worden war, leitete dann dort bis zum September 1939 das Hilfskomitee für die deutschen und österreichischen Spanienkämpfer. Als die Sowjetunion erkennen ließ, dass sie keinesfalls den Großteil der sich in französischen Internierungslagern befindlichen ehemaligen Interbrigadisten aufnehmen würde, entwickelte das Hilfskomitee eine hektische Betriebsamkeit und versuchte, in allen möglichen potentiellen Aufnahmeländern Verbündete, die die Regierungen und die öffentliche Meinung beeinflussen sollten. Am 27. April schrieb beispielsweise Heinrich Rau aus Paris an die Kaderabteilung der KPD-Vertretung bei der Komintern in Moskau: „Die skandinavische öffentliche Meinung können wir mit Hilfe von Lisa Lindbæk, die in die Lager gefahren ist, noch mehr als bisher interessieren“. [26]

Obwohl Kantorowicz wußte, dass er das Erscheinen seines Buches letztlich Ercoli (Togliatti) zu danken hatte, war er sich sicher, die militärische Führung der XI. Internationale Brigade auf seiner Seite zu wissen. Denn sie hatte ihn beauftragt, das Buch zusammenzustellen, und Heiner Rau war es, der Bredel empfahl, sich bei Kantorowicz Rat zu holen. Die Brigadeführung hatte überdies einen Genienstreich gewagt und das Tschapajew-Buch an Manuel Azaña, den Präsidenten der Spanischen Republik, geschickt. Dessen Sekretär antwortete kurze Zeit später mit dem ausdrücklichsten Dank des Präsidenten und der Mitteilung, dass dieser das Buch des „Teniente Alfred Kantorowicz“ sehr interessant findet. [27]Allerdings hatte die Führung der XI. Brigade nicht auf diese Anerkennung durch den Präsidenten der Republik gewartet, sondern damit begonnen, verdiente Interbrigadisten mit diesem Buch auszuzeichnen. In der Akte des Spanienkämpfers Hubert Ramm (Ps. Bert Ramin) ist folgendes Schreiben zu finden:

 

Der Kriegskommissar der                                                          Im Felde, den 15. April 1938

  1. Internationalen Brigade

Z e r t i f i k a t

 

Dem ehemaligen Kameraden des Bataillons Tschapajew

Sargento BERT RAMIN

 

der heute gemäß dem Geiste des Bataillons und dem großen unsterblichen Vorbild Tschapajews seine Pflicht in unserer Brigade erfüllt, überreiche ich als Zeichen der Anerkennung die Geschichte seines Bataillons.

 

Der Kriegskommissar der XI. Brigade

BLANK

Der Kamerad erhält den Auftrag, das ihm überreichte Exemplar allen ehemaligen Tschapajew-Kameraden seiner jetzigen Einheit zugänglich zu machen. [28]

Aber auch Kantorowicz´s Gegner gaben nicht auf. Die Züricher Verlagsbuchhandlung Stauffacher wollte das Tschapaiew-Buch mit 3000 Exemplaren neu auflegen. Obwohl schon ein Vertrag mit Kantorowicz existierte, schrieb ihm der Verlag am 7. Januar 1939, dass er von einer Herausgabe absehe, weil er erfahren habe, dass von Willi Bredel in der nächsten Zeit eine Geschichte der XI. Internationalen Brigade erscheinen werde. Das kann nur ein vorgeschobenes Argument gewesen sein, denn was die am internationalsten besetzte XIII. Brigade mit der sehr deutsch dominierten XI. Brigade zu tun hatte, bleibt das Geheimnis des Verlages. Außerdem muss man gewusst haben, dass mit dem Buch Bredels über die XI. Brigade nicht mehr zu rechnen war. Allerdings erfuhr Kantorowicz, dass der Verlag Stauffacher mit der Éditions Prométhée in Paris verbunden war. Prométhée aber war der Verlag der Kommunistischen Internationale.

Nach seiner eigenen Aussage hörte Kantorowicz erst 1947 von sowjetischen Offizieren, dass das Tschapaiew-Buch in der Sowjetunion sehr hohe Auflagen erfahren habe und dass viele Soldaten das inzwischen zerlesene Buch den ganzen Krieg über im Sturmgepäck von Stalingrad bis Berlin bei sich gehabt hätten.[29] Das Buch war, übersetzt von Rita Rait, tatsächlich 1939, kurioserweise im Staatlichen Verlag Khudozhestvennaya Literatura (Die schöne Literatur), mit dem Untertitel „Erzählungen vom Kampf eines Bataillons. Zusammengestellt von Alfred Kantorowicz“ erschienen. Die Auflagehöhe soll sich auf 20 000 Exemplare belaufen haben, was für damalige sowjetische Verhältnisse nicht viel war. Heute sind in Russland nur noch eine Handvoll erhaltener Exemplare einer einzigen Auflage nachweisbar. Im gleichen Verlag wie das Buch damals erschien übrigens auch, und das ist wiederum eine Ironie der Geschichte, die Zeitschrift „Internationale Literatur“, die die Erzählung von Kantorowicz abgelehnt hatte.

Zu einer neuen Auflage, in der aber auf den Fototeil des Originals verzichtet und die von Kantorowicz als „verunstaltete Broschüre“ bezeichnet wurde [30], kam es 1948, nun erstmals in Deutschland, durch den Greifenverlag zu Rudolstadt. Karl Dietz, der Verleger des Greifenverlages, hatte in den ersten Jahren nach dem Krieg ohnehin versucht, ein humanistisches, antifaschistisches, aber unorthodoxes Programm zu gestalten, das auch Schriften von Emil Ludwig oder Alice und Otto Rühle beinhalten sollte, also von Schriftstellern, von denen dann in der DDR nichts mehr erscheinen konnte.

Im März 1956 erhielt Kantorowicz überraschend einen Anruf des Verlags des Ministeriums für nationale Verteidigung. Man teilte ihm mit, dass die originalgetreue Neuauflage des Tschapaiew-Buches geplant sei. Noch mehr überrascht war er allerdings darüber, dass auch prominente Mitkämpfer, die in Ungnade gefallen oder zu Unpersonen geworden waren, ihren Platz in dem Buch genauso finden sollten wie schon in der Originalausgabe von 1938. Kantorowicz´s Frage galt besonders seinem früheren Kommandeur General Gómez recte Wilhelm Zaisser und dem Schweizer Otto Brunner, der nicht nur in Spanien, sondern schon zuvor in Brasilien mit Luís Carlos Prestes, dem „Ritter der Hoffnung“ gekämpft hatte, aber 1951 aus der kommunistischen „Partei der Arbeit“ ausgeschlossen worden war. Auch Wilhelm Zaisser, erster Minister für Staatssicherheit der DDR, war 1953 erst aus der Parteiführung, dann 1954 aus der SED ausgeschlossen und zur Unperson gemacht geworden. Die Erwähnung beider Personen wäre, so wurde Kantorowicz signalisiert, absolut kein Problem. Man darf nicht vergessen, dass 1956 das Jahr des 20. Parteitags der KPdSU war, nach dem damit begonnen wurde, verschiedene Opfer des Stalinismus zu rehabilitieren. Obwohl das auf Zaisser nicht zutraf, der immerhin der höchste deutsche Offizier der Internationalen Brigaden war, konnte sein Name und die von ihm gezeichneten Befehle in dieser Publikation wieder genannt werden.

Kantorowicz schrieb später, dass nur einige Bilder, die nicht reproduzierbar gewesen wären, nicht in den Nachdruck aufgenommen wurden. Das allerdings kann so nicht stimmen. Es fehlt vor allem ein Bild, das Cipriano Mera und Valentín Gonzáles, besser bekannt als El Campesino (Der Bauer), in herzlicher Umarmung zeigt.[31] Mera war ein Anarchosyndikalist, der ungeachtet dessen das VI. Armeekorps der republikanischen Zentrumsarmee kommandierte. Anfang 1939 hatte er mit Segismundo Casado, dem Kommandeur der Zentrumsarmee, und dem Sozialisten Juan Besteiro die Nationale Verteidigungsjunta gebildet. Die Junta putschte gegen die Regierung des Ministerpräsidenten Juan Negrin, weil ihre Mitglieder der Meinung waren, dass eine weitere Verlängerung des für die Republik aussichtslosen Krieges nur noch unnötige Opfer bedeuten würde. Aus diesem Grund war es vor allem in Madrid zu Kämpfen mit kommunistisch geführten Einheiten gekommen. El Campesino war Mitglied der KP Spaniens und Kommandeur der 101. Brigade. Er konnte mit anderen kommunistischen Führern in die Sowjetunion emigrieren, war dort im Range eines Generals an der Militärakademie, kam aber bald derart mit den  Behörden in Konflikt, dass er zu Lagerhaft verurteilt wurde. Nach einem missglückten Fluchtversuch gelang es ihm dann doch noch, sich über den Iran nach Frankreich abzusetzen. Von dort aus agierte er wieder gegen Franco, dieses Mal aber als entschiedener Antikommunist.

Ein weiteres Bild, das fehlt, zeigt im Original ganzseitig das von Granaten beschädigte mächtige Gebäude der „Telefónica“ in Madrid. Die Bildunterschrift lautete: „Madrid. Die unbezwingbare Festung der Weltdemokratie“. Das konnte man selbst 1956 so noch nicht veröffentlichen. Aus kommunistischer Sicht wäre auch zu dieser Zeit die Sowjetunion nach der 1936 angenommenen neuen sowjetischen Verfassung, die als die demokratischste der Welt verherrlicht wurde, die Feste der Weltdemokratie gewesen.

Werner Abel

[1] Alfred Kantorowicz, Spanisches Kriegstagebuch, Hamburg 1979, S. 465

[2] ebenda, S. 466

[3] RGASPI Fonds 545 op. 3 delo 55, S. 97-98

[4] ebenda S. 468, Mewis war einer der höheren Parteivertreter der KPD in Spanien und zeitweilig als Vertreter Franz Dahlems Verantwortlicher für die KPD-Mitglieder in Spanien. Im erwähnten Sicherheitsdienst spielte er eine mehr als dubiose Rolle. Als er zum Schluss Leiter des Internationalen Clubs in Barcelona war, verbot er Ernst Busch, der Lieder nach Gedichten von Kurt Tucholsky singen wollte, „diesen bürgerlichen Unfug“ und verlangte, Busch sollte etwas über Stalin bringen. Anwesende erzählten später, dass Busch daraufhin Tränen in den Augen hatte. Da Mewis kurze Zeit später in Konflikt mit André Marty geriet und sich die KP Spaniens der Angelegenheit annahm, wurde er schließlich als „unerwünschter Ausländer“ aus Spanien ausgewiesen. Das war allerdings kein Hinterungsgrund für seine spätere Karriere in der DDR.

[5] RGASPI (Moskau) Fonds 495 op. 205 delo 114,S. 244

Bei dem Zitieren aus Akten des Kominterarchivs werden Ausdruck, Orthographie und Grammatik beibehalten

[6] Alfred Kantorowicz, Spanisches Kriegstagebuch…S. 473

[7] RGASPI Fonds 545 op. 2 delo 147,S. 119. Das Dokument ist unterzeichnet mit „F.V.“. Das bedeutet „Fritz Valencia“ und wurde somit von Wilhelm Tebarth, Jahrgang 1902, angefertigt, der unter dem Decknamen „Fritz Schimmel“ in Spanien tätig war. Die Angehörigen des KPD-Nachrichtendienstes nutzten in Spanien zur Unterzeichnung von Informationen und zur Adressierung von Briefen den Vornamen ihres Decknamens und den Namen der Stadt, in der sie residierten. Da manche mehrere Decknamen nutzten, ist es noch nicht gelungen, alle Decknamen zu entschlüsseln.

Alfred Kantorowicz hatte Julia Annenkowa während seinem Besuch in Moskau kennengelernt. Außerdem schrieb er für die DZZ. 1934 rezensierte er „Im Kreuzfeuer“ von Gustav Regler und im gleichen Jahr schrieb er über den Arbeiterdichter Adam Scharrer. Im September 1936 berichtete er über „Deutsche Schriftsteller in der Vorhut des Freiheitskampfes“.

[8] In einer „Übersicht über POUM-Angehörige und Trotzkisten“ ist zu lesen: „Blair, Erich (sic!) und Eillen. B.spielt eine führende Rolle im Frontkomitee der ILP (Independent Labour Party, W.A.), Divison Lenin. B. beteiligte sich am Maiaufstand. Aus der vorgefundenen Korrespondenz kann man annehmen, dass eine zersetzende Arbeit in Albacete geführt worden ist. Weiter ist zu bemerken, dass bei B. ein Notizblock mit Aufzeichnungen von verschiedenen Stellungen der PSUC-Formationen an der Aragonfront gefunden wurden.“ RGASPI Fonds 545 op. 2 delo 148, list 71-72. Der POUM (Partido Obrero de Unifación Marxista) war eine linkssozialistische, antistalinistische Partei, die neben der Abwehr der Putschisten auf eine soziale Revolution orientierte. Auch ihr Vorschlag, Leo Trotzki Asyl in Spanien zu gewähren, und die kritischen Berichte über die Moskauer Prozesse über ihren Sender führten dazu, dass sie von den Stalinisten als trotzkistisch bezeichnet, verfolgt, schließlich verboten und ihre führenden Mitglieder umgebracht oder vor Gericht gestellt wurden. George Orwell kämpfte in der Division Lenin, die die größte Fronteinheit des POUM war. Er war sich der Gefahr, in der er sich befand, offensichtlich nicht bewusst, akzeptierte aber eine Warnung und verließ mit seiner Frau Spanien. Nach der oben wiedergegebenen Information hätte er wegen Militärspionage angeklagt und inhaftiert werden.Er erlebte tatsächlich die Mai-Ereignisse 1937 in Barcelona, die, ausgelöst durch den stalinistischen Angriff auf die von anarchistischen Milizen dominierte Telefónica, zu tagelangen heftigen Kämpfen zwischen den antifranquistischen Kräften in der republikanischen Zone führte.

[9] RGASPI Fonds 545 op. 2 delo 147 S. 58. Das Schema ist nicht gezeichnet, könnte aber, aus dem   Gesamtkontext gesehen, von Hermann Geissen, dem früheren Kommandeur der Centuria „Thälmann“ angefertigtt worden sein, der nach seiner Verwundung der KPD-Abwehr in Spanien und den „Servicio especial del PSUC“  angehörte

[10] RGASPI Fonds 545 op. 2 delo 105 list 63.  Den Mitkämpfer Franz Trautsch, der Kantorowicz denunzierte, beschreibt dieser im „Spanischen Kriegstagebuch“ (S.140) wie folgt: „Ein nicht mehr junger, verknitterter, etwas mürrisch erscheinender Mann steht im Raum; das ist der Bataillonsfeldwebel Franz (Trautsch).“. Trautsch, Jahrgang 1903, war zu dieser Zeit 34 Jahre alt!

„Herbert Valencia“ ist vermutlich Gustav Hentschke, Jahrgang 1899 und Capitán bei den Interbrigaden. Der Absender, „Wilhelm Albacete“, dürfte Wilhelm Max Klein gewesen sein. Er war Jahrgang 1896 und Mitarbeiter der Zentralen Kaderabteilung in der Base Albacete sowie des Servicio de Cuadros.

[11] RGASPI Fonds 545 op.6 delo 352, S. 5.  Szinda schrieb in Moskau auch einen ca. 50-seitigen Bericht über „Trotzkisten in Spanien“. Wenn das, was er dort diskriminierend und zugespitzt über Rudolf Selke (den er immer „Seltke“ nannte) schrieb, Kantorowicz zusätzlich vorgeworfen worden wäre, hätte diesem wohl ernsthafte Konsequenzen gedroht.

[12] Das Gedicht, auch abgedruckt in dieser Zeitschrift, Exil Nr. 1/ 1999, S. 75 – 78, ist als Abschrift ebenfalls im RGASPI Fonds 495 op. 11 delo 1, S. 173-175 abgelegt.

[13] RGASPI Fonds 495 op. 11 delo 1 S.199

[14] ebenda, S. 88

[15] RGASPI Fonds 495 op. 11 delo 1 S. 90

[16] Alfred Kantorowicz, Nachtbücher, Hamburg 1995, S. 184

[17] „Moritz“ bzw „Moritz Bresser“, auch „Moritz Baier“ bzw. „Ludwig Bayer“ waren die Deckname von Hubert von Ranke, Großneffe des berühmten Historikers Leopold von Ranke. Hubert von Ranke ging Ende 1937 mit seiner Frau nach Frankreich und brach mit der KPD. Seine unveröffentlichten Memoiren befinden sich im Institut für Zeitgeschichte München.

[18] RGASPI, Fonds 545 op.3 delo 55, S. 199

[19] ebenda, S. 200

[20] RGASPI, Fonds 541 op. 1 delo 102ъ S. 116, vgl. auch Reinhard Müller (Hrsg.) Die Säuberung, Reinbek     bei Hamburg 1991, S.397/398

[21] RGASPI, Fonds 545 op.3 delo 57, S. 45

[22] vgl. RGASP, Fonds 545 op.3 delo 56, S. 87

[23] RGASPI, Fonds 545 op.2 delo 143 b, S. 217

[24] RGASPI, Fonds 545 op.6 delo 351, S. 108

[25] vgl. z.B. seinen Bericht vom 16. November 1940 zu diesem Thema in RGASPI Fonds 545 op.6 delo 28, S. 1-55

[26] RGASPI, Fonds 545 op.3 delo 55, S. 172

[27] RGASPI Fonds 545 op.1 delo 17, S. 149

[28] Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945/ Dokumentationsarchiv des deutschen Widerstands, Nachlass Hubert Ramm, Ram 4c. Bei dem unterzeichnenden Kriegskommissar handelte es sich um Karl Thoma, Jahrgang 1903, der in Spanien das Pseudonym „Ernst Blank“ nutzte, vom März 1938 bis zum Januar 1939 Kriegskommissar der XI. Brigade war und in diesem Monat beim „2. Einsatz“ der Interbrigaden gefallen ist. Die XIII. Brigade, zu der das Tschapajew-Bataillon gehörte, war im Juli/ August in der Schlacht von Brunete aufgerieben und die überlebenden Kämpfer auf die XI. Brigade verteilt worden.

[29] Alfred Kantorowicz, Deutsches Tagebuch,Erster Teil, Berlin 1980, S. 281

[30] Alfred Kantorowicz, Deutsches Tagebuch, Zweiter Teil, Berlin 1980, S. 632

[31] Das Zusammentreffen und die Umarmung der beiden auf unterschiedlichen Positionen stehenden Kommandeure waren übrigens von Hans Kahle angeregt worden. Das Foto erschien erstmals am 10.Oktober 1937 in der Zeitschrift „Crónica“ (Jg.9, Nr. 413). Für diesen Hinweis danke ich Herrn Dr. Jakob Taube, Markkleeberg.

Kanto Anlage1

 

 

Kanto Anlage2.pngBrief der KPD-Abwehr in Spanien. Willi und Albert Madrid (Decknamen) sollen von Kantorowicz die Materialen für das Buch über das Tschapaiew-Bataillon zurückholen (reklamieren).

kanto Anlage 3Soldliste ces Kriegskommissariats, aus der hervorgeht, dass Kantorowicz nur 439 Peseta Sold bekam, das sind 129 mehr als ein einfacher Soldat. Mit dem Gehalt seiner Frau Friedel kam er auf 739 Pesetas, obwohl er alleine dem Rang Teniente entsprechend 810 Pesetas hätte erhalten müssen. Quelle: RGASPI 545-1-62

kanto anlage 4Dankesbrief der Präsidialkanzlei des Präsidenten Azaña, dass dieser das Tschapaiew-Buch mit großem Interesse entgegengenommen hat. Quelle: RGASPI 545-1-17.

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kanto anlage 5aBrief Kantorowicz´s an Heiner (Heinrich Rau) mit der Bitte, bei Erwerb der spsnischen Staatsbürgerschaft, aber auch eines höheren Rangs behilflich zu sein. Kantorowicz drückte damit nicht die Absicht aus, in Spanien zu bleiben, sondern damit besser für das Buch werben zu können. Quelle: RGASPI 545-3-55

kanto anlage 6Schematische Zeichnung der KPD-Abwehr für den SIM der Brigaden, in der auch Kantorowicz trotzkistischer Verbindungen verdächtigt wird. Quelle: RGASPI 545-2-147

kanto anlage 7Einschätzung von Gustav Szinda für den Frontoffizier Kantorowicz, der verschüttet wurde. Quelle: RGASPI 545-6-352

Quelle: Rgaspi 545-1-40

Quelle: Rgaspi 545-1-40

Zwei Aufforderungen von Luigi Longo (Gallo), dass Alfred und Friedel Kantorowicz in kürzester Frist bei ihm in Barcelona erscheinen sollen.

Quelle: Rgaspi 545-1-40

Quelle: Rgaspi 545-1-40

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Zertifikat, mit dem Bert Ramin (eigentlich Hubert Ramm) das Tschapaiew-Buch als Auszeichnung erhielt. Nachstehend die Abschrift, weil das Originaldokument schwer lesbar ist. Unterschrieben ist dieses Dokument von Ernst Blank (eigentlich Karl Thoma), zu dieser Zeit Kriegskommissar der XI. IB.

Quelle: Studienkreis Deutscher Widerstand, Frankfurt/M. Nachlass Hubert Ramm/Bert Ramin.

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Redaktion KFSR

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