Spanien: Wird die Franco-Gedenkfeier beendet? | Von Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR.

Spanien: Wird die Franco-Gedenkfeier beendet?

Von Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR

Viele Jahre lang haben spanische Antifaschisten sowie internationale Organisationen der Spanien-Kämpfer und ihrer Freunde gefordert, dass das faschistische Mahnmal im sogenannten „Tal der Gefallenen“ endlich umgewidmet wird und kein Wallfahrtsort mehr für Francos Verherrlichung ist.
Letzte Woche hat das spanische Kabinett endlich ein Dekret verabschiedet, um die Überreste des ehemaligen Diktators Franco aus der Kirche im Tal zu exhumieren. Dies war eines der Wahlversprechen nach der Regierungsübernahme durch Misstrauensantrag von Premierminister Pedro Sánchez von der Partido Socialista Obrero Español (PSOE).

Das Dekret muss noch das Parlament passieren. Die Volkspartei (PP), die aus der ehemaligen Franco-Administration hervorgegangen ist, hat bereits damit gedroht, eine Verfassungsbeschwerde einzureichen. Auch die rechte Ciudadanos-Partei (Bürger) kündigte an, dass sie die Exhumierung nicht unterstützen würde.

Die linken politischen Parteien (Republikanische Linke von Katalonien oder Podemos) unterstützen das Dekret, fordern aber, dass nicht nur die Knochen exhumiert werden, sondern dass eine wirkliche Abkehr von der Diktatur und den Verbrechen beginnen und eine „Wiedergutmachung aller Opfer des Franquismus“ erfolgen muss. Denn das Amnestiegesetz war keine wirkliche Aufarbeitung, weil nur verurteilte Verbrechen amnestiert werden können. Franquisten wurden nie vor Gericht gestellt. Bis heute boykottiert Spanien alle Versuche, die Täter vor der „Amnestie“ zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Wallfahrtsort der Faschisten soll zum Gedenkort an die Opfer des Faschismus werden. Schätzungsweise 34.000 Menschen wurden mit den Überresten der Diktatoren im Tal begraben, hauptsächlich Republikaner, Anarchisten, Kommunisten und baskische und katalanische Nationalisten. Es gibt auch Zwangsarbeiter, die den Bau nicht überlebt haben. Mehrere Angehörige von Opfern fordern die Schließung des Mausoleums. Die baskische nationalistische Partei (PNV) argumentiert mit anderen für einen Abriss. Der spanische Kulturminister hatte sich für ein Mahnmal nach dem Vorbild von Auschwitz als „Auschwitz des Franquismus“ ausgesprochen, damit „die Menschen den Horror nicht vergessen“.

Anmerkung zur Grafik:

Die Grafik ist aus El País vom 24. August 2018. Interessant ist der Text unter VALLE DE LOS CAÍDOS:
Errichtung: 1941-1959
Arbeiter: 20.000 (in ihrer Mehrheit politische Gefangene)
Kosten äquivalent zum Euro: 247,7 Millionen

Francos Sarg wird in umgekehrter Richtung zu seiner Beerdigung am 23. November 1975 bewegt werden. Das Personal, das für die Exhumierung und Überführung der Überreste verantwortlich ist, wird nach der Öffnung des Grabsteins den Sarg aus dem Querschiff der Basilika abholen und mit ihm das Kirchenschiff und das Atrium bis zur Esplanade durchqueren. Dort wird der Sarg in einen Leichenwagen eingeladen.

Englisch:

Spain: Will the Franco Commemoration be terminated?

For many years, Spanish anti-fascists, as well as international organizations of the Spanish fighters and their friends, have demanded that the fascist memorial in the so-called „Valley of the Fallen“ finally be rededicated and no longer a place of pilgrimage for Franco’s glorification.

Last week, the Spanish Cabinet finally passed a decree to exhume the remains of former dictator Franco of the Church in the Valley. This was one of the electoral promises after the government takeover by no-confidence motion by Prime Minister Pedro Sánchez of the Partido Socialista Obrero Español (PSOE).

The decree must also pass the Parliament. The People’s Party (PP), which emerged from the former Franco administration, has already threatened to file a constitutional complaint. The right-wing Ciudadanos party (citizens) also announced that it would not support the exhumation.

The left political parties (Republican Left of Catalonia or Podemos) support the decree, but demand that not only the bones be exhumed, but that a real overhaul of the dictatorship and the crimes must begin and a „reparation of all victims of Francoism“ must follow. Because the amnesty law was a final stroke law because only crimes that have been condemned can be amnestied. Franquists were never put on trial. To date, Spain is boycotting all attempts to bring the perpetrators to justice with regard to the „amnesty“.

The pilgrimage site for fascists should become a memorial to the victims of fascism. An estimated 34,000 people were buried with the remnants of the dictators in the valley, mostly Republicans, anarchists, communists, and Basque and Catalan nationalists. There are also forced laborers who did not survive the construction. Several relatives of victims demand the closure of the mausoleum. The Basque Nationalist Party (PNV) argues with others for a demolition. The Spanish Minister of Culture had pronounced a memorial on the model of Auschwitz as „Auschwitz of Franquism“, so that „people do not forget the horror“.

In reaction of the cabinet decision, fascist and Franco-fascist organizations in Spain have called for rallies and resistance to the „desecration of the tomb“ of Franco. So it will be not only a decision in parliament, but also a challenge for anti-fascist organizations in Spain and beyond not to miss the chance to make a visible break with the remembrance of Franco-fascist dictatorship.

 

 

 

 

 

Hans-Jürgen Schwebke

Hans-Jürgen Schwebke