Wiedereinweihung der Hans-Beimler-Stele in Chemnitz am 31.08.2018 um 17:00 Uhr

Chemnitz, 31.08.2018: Wiedereinweihung der restaurierten Hans-Beimler-Stele. Die Stele des Chemnitzer Bildhauers Volker Beier erinnert an den Kommunisten Hans Beimler und an die anderen deutschen Freiwilligen u.a. die aus Chemnitz stammenden Antifaschisten Fritz Baumgärtel, Hartmut Berlet, Ernst Cohn, Karl Deutscher, Werner Feiler, Herbert Firl, Richard Gladewitz, Kurt Höfer, Walter Janka, Horst Menzel, Bodo Ritscher und Hans Ziegler, die an der Seite des spanischen Volkes für Demokratie und Freiheit und gegen die Errichtung der faschistischen Franco-Diktatur kämpften. Gablenz-Center, Carl-von-Ossietzky-Straße/Ernst-Enge-Straße, 17 Uhr.

Widerstand braucht manchmal langen Atem, immer auch ein Ziel vor den Augen und den festen Willen und die Beharrlichkeit dieses Ziel konsequent zu verfolgen.

Im Juni 2011 wandten sich der Bürgerverein Für Chemnitz e. V. und die VVN-BdA Chemnitz mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Die Redaktion dokumentiert diesen Aufruf im Folgenden:

Aufruf von Bürgerverein Für CHEMNITZ e. V. und VVN-BdA Chemnitz

Es ist ein notwendiger Aufruf: „Bürger, rettet Eure Stadt!“ Wer kennt ihn nicht? Verfallende Häuser, Kulturgüter vergangener Zeiten, Fabrikgebäude und Denkmale. Dinge, die eine Stadt ausmachen, werden dem Verfall preisgegeben. Was über Jahrzehnte den Menschen wichtig war, verschwindet, schnell oder schleichend. Mit den steinernen Zeugen gehen auch die Erinnerungen, die mit ihnen verbunden waren, Stück für Stück, bis keiner mehr einen Anhaltspunkt findet, der das Tor zur Geschichte öffnen könnte.

Kunst im öffentlichen Raum bleibt von diesem Prozeß nicht verschont. Wir wollen dies nicht hinnehmen und ein Denkmal, das in seinem Bestand gefährdet ist, erhalten.

Der Chemnitzer Bildhauer Volker Beier schuf die Stele „Hans Beimler gedenken“. Seit über drei Jahrzehnten gehört sie zum Stadtbild im einstigen Neubaugebiet an der Carl-von-Ossietzky-Straße. Für viele Bürger heißt es noch immer „Beimler-Gebiet“. Die gleichnamige Bibliothek bestand nach Bürgerprotest bis zu ihrer Schließung unter dem Namen des einstigen Widerstandskämpfers.

Denkmal! Erhalten wir ein Bild unserer Stadt!

Bis heute prägt sie den Blick auf die Vorderseite des Gablenz-Centers. Das Umfeld ist gepflegt, bepflanzt, eine kleine Hecke, ein Bäumchen und Blumen. Doch der Eindruck des ersten Scheins, alles sei in Ordnung, weicht bei näherer Betrachtung. Risse, Korrosion und Verfall. Unter Schutz steht das Denkmal nicht. Es steht auf einem Privatgrundstück, und die Stadt gibt kein Geld zum Erhalt aus. Es würde also Stück für Stück verschwinden.

Dies wollen wir nicht zulassen!

Es ist ein Stück unserer Heimat, ein Teil unserer Stadt und atmet Geschichte. Ist Handwerk eines unserer Künstler. Steht auch stellvertretend für 21 Chemnitzer, die in Spanien 1936 bis 1939 die bürgerliche Regierung und die Republik verteidigten. Erhalten können wir es nur mit finanzieller Unterstützung.

Darum bitten wir um spenden. Danke!

Bürgerverein FÜR CHEMNITZ e. V., Augustusburger Straße 31, 09111 Chemnitz

VVN-BdA Chemnitz, Rosenplatz 4, 09126 Chemnitz

 

Am 07. März 2018 informiert Dietmar Berger:

Aus der Stadtratssitzung vom 7. März 2018: Fraktionserklärung

Am Montag haben viele Menschen unserer Stadt der Zerstörung von Chemnitz am 5. März 1945 gedacht. Ich möchte dem Aktionsbündnis, der Oberbürgermeisterin, der Stadtverwaltung und den beteiligten Jugendlichen für die wirklich beeindruckende Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer des 5. März, die in Folge des von Deutschen angezettelten 2. Weltkrieges in Chemnitz ihr Leben verloren haben, danken. Die Statements der Jugendlichen aus dem Goethe-Gymnasium und des Sprechers des Stadtschülerrates haben eins deutlich gemacht: Es wächst eine Generation heran, die Frieden nicht nur hier will oder gar als nur uns zustehendes Geschenk betrachtet, sondern dafür eintritt, dass alle Menschen auf der Welt friedlich miteinander leben sollen. Man übersieht manchmal diese Tatsache und meint, Jugend besteht meist nur aus Hooligans oder Schreihälsen. Die Stunde auf dem Chemnitzer Friedhof hat Hoffnung gemacht.

Am Montag haben wir auch den Friedensplatz vor dem neuen Technischen Rathaus mit der Plastik „Reliquie Mensch“ von Michael Morgner eingeweiht. Ein Bekenntnis, ein Beitrag zur Erinnerungskultur der Stadt und damit auch eine klarer Hinweis an die, die glauben, mit Erinnerung an das, was von deutschem Boden mit dem Verbrechen des 2. Weltkrieges ausgegangen ist, sei es doch nun mal genug. Denen sei gesagt, dass die Demokraten in dieser Stadt dies nie zulassen werden. Im Übrigen auch nicht am 1. Mai.

In den Friedenstag reiht sich die Sanierung der Hans-Beimler-Stele im Beimlergebiet würdig und gut ein. Der Stadtrat hat dafür im Doppelhaushalt 10 T€ bereitgestellt, aber 14 T€ wird die Sanierung kosten. Unklar war bisher, ob der Eigentümer des Gablenzcenters überhaupt die Stele auf seinem Grundstück erhalten will.

Unsere Fraktion hat sich an den Eigentümer der Immobilie gewandt. Mit Erfolg. Nunmehr hat die Rheingold-Gesellschaft mitgeteilt, dass sie sowohl die Stele auf ihrem angestammten Platz stehen lassen, als auch dass sie die offenen 4 T€ übernehmen will.

Ein Erfolg für die Bürgerinnen und Bürger, die sich seit einigen Jahren für die Sanierung der Beimler-Stele engagiert haben. Ein Erfolg für die Mitglieder des VVN/BdA.
Aber auch ein gutes Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft in unserer Stadt für die Stadt und deren Bürger engagiert. Danke an alle, die mitgeholfen haben.

Nun wollen am 31. 8. 2018, 17.00 Uhr, die VVN-BdA Chemnitz gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Chemnitz sowie Vertreter von Parteien, wie der Partei DIE LINKE die sanierte Hans-Beimler-Stele wieder feierlich einweihen. Dazu laden sie alle herzlich ein, die sich den Interbrigadisten verbunden fühlen.  Gleichzeitig soll den Spendern gedankt werden. Es sprechen u. a. Enrico Hilbert und Thiemo Kirmse.

Weitere Informationen:

“Beimler-Stele: Restaurator verklebt Jahrzehnte alte Risse“. Von Benjamin Schaller in Freie Presse Chemnitz.

Hans-Jürgen Schwebke

Hans-Jürgen Schwebke