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Film – „Tierra y Libertad“ – Land and Freedom von Ken Loach

5. November 2016, 19:00 - 21:00

„Tierra y Libertad“ – Land and Freedom
Spielfilm von Ken Loach

„Was Spanien für Liberale und Linke in den dreißiger Jahren bedeutete, scheint heute nur noch schwer feststellbar. Doch für viele von ihnen, die überleben konnten und heute alle in biblischem Alter sind, scheint die Verteidigung ihrer Sache in diesem Land selbst rückblickend betrachtet die einzige politische Tat gewesen zu sein, die ihre Gültigkeit bewahrt hat. (…) Damals lief für alle, die gegen den Faschismus kämpften, die entscheidende Front in Spanien. Denn es war nicht nur die einzige Front, die sich zweieinhalb Jahre lang hinzog, sondern es war auch der einzige Kampf, an dem sie als Individuen teilnehmen konnten – wenn nicht in Uniform, dann durch das Sammeln von Geldspenden, durch die Hilfe für Flüchtlinge oder durch endlose Kampagnen, um die eigenen Regierungen unter Druck zu setzen.“

(Eric Hobsbawm, 1995: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München, Wien, 1995, S. 206)

Rund 40.000 internationale Freiwillige kämpften in den Milizen und den Internationalen Brigaden oder als JournalistInnen und PropagandistInnen auf Seiten der Republik. Darunter waren rund 9.800 Franzosen/Französinnen, 4.000 ItalienerInnen, 4.000 PolInnen, 3.000 Deutsche, 2.700 US-AmerikanerInnen und 2000 BritInnen.
Wenn deren Engagement auch heute noch weltweit nachwirkt, hat dies auch mit der literarischen und künstlerischen Verarbeitung zu tun. Es gibt vermutlich kein anderes historisches Ereignis neben dem Spanischen Bürgerkrieg, an dem Intellektuelle und SchriftstellerInnen so stark engagiert waren und als SoldatInnen gekämpft haben. George Orwell kämpfte in einer Miliz des POUM, André Malraux organisierte eine Fliegerstaffel, Gustav Regler war politischer Kommissar, Carl Einstein kämpfte in der Columna Durruti.
Auch aus Wuppertal zogen insgesamt 45 Freiwillige aus der Arbeiterbewegung, Kommunisten, Sozialdemokraten und Anarchosyndikalisten, in den Spanischen Bürgerkrieg. Acht Wuppertaler starben an der Front in Spanien.
Ihre Lebensläufe sind so unterschiedlich und plural wie die damalige Wuppertaler Linke. Auffällig ist aber, dass keine Wuppertaler Aktivistin in den Spanischen Bürgerkrieg gezogen ist.
Die zu erarbeitenden Biographien der Wuppertaler bilden das gesamte Spektrum der deutschen Spanienkämpfer ab. Unter ihnen waren überzeugte Parteikommunisten wie der spätere DDR-Innenminister Fritz Dickel oder der KPD-Bundestagsabgeordnete Walter Vesper, Anarchosyndikalisten wie Helmut Kirschey und Fritz Benner oder KPD-Mitglieder wie Arthur Gießwein, der sich im Internierungslager Gurs der antistalinistischen 9. Kompanie anschloss.
Die Mehrheit der Wuppertaler Spanienkämpfer hatte sich den Komintern dominierten Internationalen Brigaden angeschlossen. Fünf Aktivisten, Helmut Kirschey, Fritz Benner, Kurt und Werner Lehmann und Hans Vesper kämpften in der anarchistischen Miliz Columna Durruti.
Helmut Kirschey wurde nach den sogenannten Maitagen in Barcelona festgenommen und in kommunistischen Geheimgefängnissen inhaftiert. Später ging über Frankreich nach Schweden. Er lernte dort 1940 seine Ehefrau kennen und kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück.
Der Brigadekommissar der XI. Internationalen Brigaden (IB) Eugen Schwebinghaus wurde am 23. April 1943 er in Amsterdam verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 24. August 1944 im Gefängnis Bruchsal hingerichtet.
Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges waren die Aktivisten buchstäblich über die ganze Welt verteilt. In Frankreich wurden sie unter sehr miserablen Bedingungen zunächst in Internierungslagern wie Gurs eingesperrt. Bei Kriegsbeginn wurde ihnen von der französischen Regierung das Angebot gemacht, in die französische Fremdenlegion einzutreten. Die meisten KPD-Anhänger weigerten sich, sie lehnten auch in ihrer Mehrheit den Dienst in einer (zivilen) Arbeitskompanie ab. Die Anhänger der KPD setzten zum Teil auf die neuen Bündnisverhältnisse nach dem Hitler-Stalin-Pakt und folgten nach der deutschen Besetzung Frankreichs der Direktive der KPD-Zentrale „freiwillig“ nach Deutschland zurückzukehren. So stellt sich Otto Gilde 1941 wie die Gestapo notierte „freiwillig den deutschen Behörden.“ Otto Gilde wurde den deutschen Behörden übergeben und bis Kriegsende als sog. Rotspanier“ im KZ Dachau inhaftiert.
Helmut Kirschey und Fritz Benner retteten sich nach Schweden, Rudolf Zuckermann gelangte nach Mexiko. Carl Coutelle arbeitete als Arzt für das Chinesische Rote Kreuz auf Seiten der Armee von Chiang Kai-shek in Südchina und Britisch-Indien, Hans Schubert ging über Moskau zum Agenteneinsatz nach Shanghai. Artur Dorf, der zeitweise Politkommissar XI. IB und Kommandeur des Etkar André Bataillons war, fiel in Ungnade und wurde degradiert. Er kämpfte nach der Internierung in Frankreich und Nordafrika 1943/1944 in Italien für die Alliierten und arbeitete für den amerikanischen Geheimdienst OSS. Walter Vesper fungierte in Spanien als Resident des sowjetischen Geheimdienstes NKWD und war in die Bekämpfung von Gegnern der Kommunisten involviert.
Später kämpfte er in der französischen Résistance und war an dem spektakulären Gefängnisausbruch in Castrés beteiligt.
Einige der kommunistischen Spanienkämpfer machten später in der DDR erstaunliche Karrieren. So wurde wie erwähnt Friedrich Dickel Innenminister der DDR und Walter Vesper wurde nach seiner Übersiedlung in die DDR deren Botschafter in Ungarn und in der ČSSR. Der jüdische Spanienkämpfer und Kardiologe Rudolf Zuckermann hingegen, der trotz Warnungen 1953 aus dem mexikanischen Exil in die DDR ging, geriet in die stalinistischen Kampagnen der SED gegen sog. Westemigranten. Nach seiner Inhaftierung erhielt er eine Professur mit Lehrauftrag für Kardiologie an der Universität Halle.

Details

Datum:
5. November 2016
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:
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Veranstaltungsort

Am langen Handok
Marienstr. 49
Wuppertal-Elberfeld,
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