Die tragische Woche. Von Werner Abel.

Die tragische Woche

Mitten im Krieg kam es im Mai 1937 in Barcelona zu mehrtägigen Kämpfen ­zwischen Antifaschisten. Die sogenannten Maiereignisse leiteten den Niedergang der einst mächtigen spanischen Anarchisten ein

Von Werner Abel
 
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Republikanische Soldaten während der Maikämpfe, die vom 3. bis zum 8. Mai 1937 andauerten

Veranstaltungshinweis: Symposium »Soziale Revolution oder bürgerliche Demokratie? Die Maiereignisse 1937 in Barcelona: Hintergründe, Akteure, Folgen, 6. Mai, 11.00–16.30 Uhr, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Salon, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik e. V., Zeitschrift Telegraph und Karl Dietz Verlag

Werner Abel schrieb an dieser Stelle zuletzt am 8.2.2017 über die Schlacht am Jarama.

Barcelona, die katalanische Metropole und Hochburg der spanischen Arbeiterbewegung, gehörte neben Madrid und Valencia zu den wichtigsten Städten der Zweiten Spanischen Republik. Hier war es dem Volk im Juli 1936 gelungen, die putschenden Truppen der reaktionären Generäle um Francisco Franco im Barrikadenkampf aufzuhalten und ihre Kasernen zu stürmen. Da die Putschisten aber große Teile des übrigen Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten und mit dem Angriff auf die Hauptstadt Madrid die Republik zu vernichten drohten, mussten die Republikaner alle antifaschistischen Kräfte mobilisieren. Während die Schlacht um Madrid tobte, herrschte in Barcelona Frieden. Bis zum Mai 1937, als erneut Barrikaden errichtet und blutige Straßenkämpfe ausgefochten wurden. Aber dieses Mal kämpften vor und hinter den Barrikaden Antifaschisten gegeneinander. Diese schicksalsschwere Auseinandersetzung bezeichnete der französische Historiker Pierre Broué als einen »Bürgerkrieg im Bürgerkrieg«. In Anspielung auf die »Semana Trágica« (die »Tragische Woche«), wie die Tage nach dem am 26. Juli 1909 von der Gewerkschaft »Solidaridad Obrera« ausgerufenen und anschließend blutig niedergeschlagenen Generalstreik hießen, wurde auch die mit dem 3. Mai 1937 beginnende innerlinke Auseinandersetzung als »tragische« oder »blutige Woche« bezeichnet. Was war geschehen?

Angriff auf die »Telefónica«

Am Montag, dem 3. Mai 1937, fuhren um 14.45 Uhr drei Lastkraftwagen vor dem Gebäude der »Telefónica« in Barcelona vor. Auf ihnen befanden sich Angehörige der Guardia de Asalto (Sturmgarde) und der Nationalen Republikanischen Garde. Sie stürmten den Eingangsbereich des riesigen Gebäudes der »Compañia Telefónica Nacional de España« (CTE) an der Plaça de Catalunya, entwaffneten die Wachen und drangen in den ersten Stock vor, um diesen zu besetzen. Dort aber wurden sie von Mitgliedern der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft »Confederación Nacional del Trabajo« (CNT) mit einem Kugelhagel empfangen. Die CTE war in Katalonien ebenso wie das Gebäude der »Telefónica« entsprechend dem Kollektivierungsdekret der katalanischen Regierung vom 24. Oktober 1936 in die gemeinsame Verwaltung der CNT, der sozialistischen »Unión General de Trabajadores« (UGT) sowie eines Vertreters der katalanischen Regierung, der sogenannten Generalitat, übergegangen.

Befohlen hatte den Angriff Eusebio Rodríguez Salas, ein Mitglied des »Partido Socialista Unificado de Cataluña« (PSUC). Salas handelte wiederum im Auftrag von Artemi Ayguadé Miró, dem Berater für innere Angelegenheiten von der linksbürgerlichen Partei »Esquerra Republicana de Catalunya«. Das Gebäude der »Telefónica« fungierte als wichtige Schaltzentrale für Gespräche zwischen Barcelona und der Welt, auch wurden hier die Telefonate zwischen der Generalitat und der republikanischen Regierung in Valencia vermittelt. Die Begründung für die versuchte Besetzung des Gebäudes lautete, dass die CNT mit der Kontrolle der »Telefónica« auch den amtlichen Telefonverkehr kontrolliere und sich unerlaubt in die Gespräche von Regierungsvertretern einmische. Später im mexikanischen Exil, als er mit dem PSUC, der katalanischen Mitgliedspartei der Kommunistischen Internationale, gebrochen hatte, schrieb Salas, das sei nur ein Vorwand gewesen sei. Ähnlich äußerte sich nach seinem Parteiaustritt auch Jesús Hernández, vormals Mitglied des Politbüros des »Partido Comunista de España« (PCE). Wie dem auch sei, der Sturm auf die »Telefónica« war der Funke, der die angespannte Atmosphäre in Barcelona und großen Teilen Kataloniens explodieren ließ. Schon Tage zuvor waren alle Kundgebungen zum 1. Mai in Barcelona abgesagt worden, weil man befürchtete, was dann am 3. Mai tatsächlich eintrat: die bewaffnete Konfrontation zwischen den verschiedenen Anhängern der Republik.

Mit dem Sieg der Volksfrontregierung am 16. Februar 1936, der auch dadurch zustande kam, dass die in der Arbeiterbewegung einflussreichen Anarchosyndikalisten ihre Wahlabstinenz aufgaben, sah die radikale Linke eine Chance für die soziale Revolution – zumal nach dem vorläufigen Scheitern des Putsches der rechten Generäle der bürgerliche Staat teilweise zusammengebrochen war. An die Stelle der alten Armee traten die Milizen der Linksparteien. In Katalonien sorgte das Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen mit basisdemokratischen Strukturen für die Aufrechterhaltung der Produktion. Sogenannte »Kontrollpatrouillen« übernahmen Polizeiaufgaben. Vor allem aber wurden auf dem Lande der Grund und Boden und in der Industrie viele Betriebe kollektiviert – hauptsächlich dort, wo die alten Besitzer geflohen oder der allzu großen Sympathien für die Putschisten verdächtigt worden waren.

Soziale Revolution

Der notwendige Krieg gegen die Franquisten müsse, so die generelle Meinung der radikalen Linken, mit der Ausbreitung und Vertiefung der sozialen Revolution verbunden werden. Mit der Republik hatten die Anarchisten, deren Ziel ein »Comunismo libertario«, ein freiheitlicher Kommunismus, war, ohnehin nicht viel im Sinn. Zu tief war die Enttäuschung über die Republik, die die blutige Niederschlagung des Aufstands der asturischen Bergarbeiter im Oktober 1934 befohlen hatte. Es war eine republikanische Regierung, die dem jungen, aufstrebenden General Francisco Franco den Befehl gegeben hatte, mit den marokkanischen Söldnern, den »Regulares«, und der Fremdenlegion, dem »Tercio«, die Aufständischen zu bekämpfen. Auch auf andere soziale Unruhen hatte die Republik mit unverhältnismäßiger Schärfe reagiert. Zehntausende waren inhaftiert worden und wurden erst nach dem Wahlsieg der Volksfront amnestiert. Aber auch jetzt blieb, obwohl die Kampfbedingungen besser geworden waren, diese Republik das, was sie in Wirklichkeit auch war, nämlich bürgerlich. Aus der Sicht der radikalen Linken änderte auch eine Volksfrontregierung nichts an diesem Charakter. Unter der Herrschaft einer Volksfront, so die weitverbreitete Meinung innerhalb der nichtkommunistischen Linken, und das nicht nur in Spanien, habe sich die Arbeiterklasse der Bourgeoisie unterordnen und letztlich auf ihre Ziele verzichten müssen.

Trotzdem trat angesichts der durch den Putsch ausgelösten ernsten Gefahr für die Republik Andreu Nin, der Generalsekretär des »Partido Obrero de Unificación Marxista« (Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit, POUM), als Justizminister in die katalanische Regierung ein, und Federica Montseny und Juan García Oliver, beide Mitglieder der »Federación Anarquista Ibérica« (FAI), übernahmen in der Regierung von Largo Caballero den Posten des Gesundheits- und des Sozialministers. Mit Juan López Sánches und Juan Peiró Belis stellte die CNT zwei weitere anarchistische Minister. Anarchisten als Minister, das war im Selbstverständnis der anarchistischen Bewegung bis zu dieser Zeit undenkbar gewesen und wurde von der Basis auch mit Ablehnung quittiert.

Der linke Flügel der Sozialisten des »Partido Socialista Obrero Español« (PSOE), repräsentiert durch Ministerpräsident Largo Caballero, genannt der »spanische Lenin«, sah die Beteiligung mit Wohlwollen und sympathisierte mit den Anarchisten. In Opposition zur radikalen Linken stand eine Koalition aus eher rechten Sozialisten, Kommunisten des PCE und den Linksrepublikanern. Die Kommunistische Partei, bei Ausbruch des Putsches mit ca. 30.000 Mitgliedern eher unbedeutend, hatte ab dem Juli 1936 einen enormen Zulauf. Eine Mitgliederzählung vom April 1938 ergab 283.605 Genossinnen und Genossen. Der große Zuwachs erklärt sich auch daraus, dass die Sowjetunion, mit der der PCE in der öffentlichen Wahrnehmung assoziiert wurde, neben Mexiko der einzige Staat war, der der Republik Waffen für den Kampf gegen die Putschisten lieferte. Dazu kam, dass der PCE entsprechend der Volksfrontpolitik das Privateigentum an Produktionsmitteln der nichtfaschistischen Bourgeoisie und des Kleinbürgertums garantierte.

Widerstreitende Prioritäten

Im Gegensatz zur radikalen Linken konzentrierte die Koalition aus Sozialisten, Kommunisten und Linksrepublikanern alle Kräfte darauf, zunächst den Krieg gegen die Putschisten zu gewinnen. Dieser Krieg, weit mehr als nur ein Bürgerkrieg, hatte schon mit dem Ausbruch eine internationale Dimension angenommen, schließlich unterstützten das Deutsche Reich und Italien massiv die Franquisten. Die republikanische Regierung, die Erstaunliches in der Reorganisation leistete, fand mit ihrer Bitte um politische und waffentechnische Hilfe bei den westlichen Demokratien hingegen kein Gehör. Frankreich, ebenfalls durch ein Volksfrontbündnis regiert, verweigerte der Spanischen Republik letztlich auf Druck der Rechten und vor allem Großbritanniens die notwendige Solidarität.

Die spanische Regierung war trotzdem darauf bedacht, alles zu vermeiden, was im Ausland als Schritt hin zu einer sozialökonomischen Umgestaltung des Landes hätte missverstanden werden können. So hatte z. B. die Zensur dafür zu sorgen, dass die ausländischen Korrespondenten nicht über Kollektivierungen berichteten. Verallgemeinert hieß die Devise: Erst den Krieg gewinnen und dann die Revolution machen. Das entsprach auch den Ratschlägen, die die spanische Regierung aus der Sowjetunion erhielt. Am 26. Dezember 1936 etwa schrieben Josef Stalin, Kliment Woroschilow und Wjatscheslaw Molotow an Largo Caballero, dass sich die Spanische Revolution einen Weg bahne, der sich in vielerlei Hinsicht von dem Weg, den Russland zurückgelegt hat, unterscheide, denn: »Es ist durchaus möglich, dass der parlamentarische Weg in Spanien ein wirksameres Mittel für die revolutionäre Entwicklung ist als in Russland.« Das republikanische Spanien müsse deshalb »das Klein- und Mittelbürgertum der Städte auf die Seite der Regierung ziehen oder ihm zumindest die Möglichkeit geben, sich gegenüber der Regierung neutral zu verhalten, und ihm zu diesem Zwecke Schutz vor Enteignungen und nach Möglichkeit Handelsfreiheit bieten (…) und Gelegenheit finden, in der Presse zu erklären, die spanische Regierung werde nicht zulassen, dass sich irgend jemand, wer auch immer, Übergriffe auf das Eigentum und die legitimen Interessen der Ausländer in Spanien erlaube.«

Wie weit die Rücksichtnahme auf das Ausland dabei ging, zeigt die Ablehnung der vom POUM erhobenen Forderung, die Kolonie Spanisch-Marokko in die Unabhängigkeit zu entlassen. Vermutlich hätte es dieser Schritt den Putschisten erschwert, die gefürchteten marokkanischen Söldner, die »Moros«, zu rekrutieren. Andererseits aber hätte das unweigerlich zu einer Kollision mit der französischen Republik geführt, die auch unter der Volksfrontregierung in Paris nicht die Absicht hatte, sich von ihren nordafrikanischen Kolonien, vor allem von Französisch-Marokko, zu trennen.

Auflösung der Milizen

Die Kämpfe in Aragón, die Verteidigung von Madrid und die Schlacht am Jarama zeigten, dass sich mit den nach dem Putsch rasch gebildeten Milizen der linken Parteien und Organisationen, die zunächst den versuchten Staatsstreich aufgehalten hatten, der Krieg nicht gewinnen ließ. Gegenüber der gut organisierten und bestens ausgerüsteten Afrika-Armee der Putschisten musste sich das Milizsystem als ineffizient erweisen. Die Regierung hatte daher bereits am 16. Oktober 1936 die Integration der Milizen in eine neu zu schaffende spanische Volksarmee angeordnet. Die Kommunistische Partei wandelte ihre »Milicia Popular« daraufhin in das legendäre Fünfte Regiment um, das dann die Keimzelle der neuen Volksarmee werden sollte.

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Einer der Konflikte, der zu den blutigen Maiauseinandersetzungen führte, betraf die Überführung der Milizen in die neue Armee, die die republikanische Regierung im Oktober 1936 verfügte – die Kavellerieabteilung der POUM-Milizen in der Lenin-Kaserne in Barcelona (undatierte Aufnahme)

Die »Militarisierung der Milizen«, d. h. die Wiedereinführung der Wehrpflicht und damit die Absage an die Freiwilligkeit, die Abschaffung der gewählten Politdelegierten und die Einführung von Hierarchien, unterschiedlichen Rängen und Besoldungen mit Privilegien für Offiziersdienstgrade, also alles, was, abgesehen von den Kriegskommissaren, dem Bild einer bürgerlichen Armee entsprach, stieß auf zunehmende Ablehnung. Alle Milizkolonnen (»Columnas«) wurden in Divisionen umgewandelt, was einerseits die Unterstellung unter ein einheitliches Armeekommando vereinfachte, den Politisierungsgrad aber reduzierte. Da einige anarchistische Einheiten sich der »Militarisierung« widersetzten, konnte diese erst im Verlauf des Frühjahres 1937 abgeschlossen werden. Als dann noch die anarchosyndikalistischen »Kontrollpatrouillen« aufgelöst und durch die neu organisierten »Carabineros«, also die Zolltruppen, den Anarchisten die Kontrolle der Grenzübergänge nach Frankreich streitig gemacht wurde, näherte sich die Stimmung dem Siedepunkt. Weiteres Öl ins Feuer gossen die oft gewaltsam betriebenen Auflösungen kollektivierter Fabriken und Ländereien sowie der örtlichen Räte. So wurde etwa seit Januar 1937 versucht, den einflussreichen Regionalen Verteidigungsrat des Aragón schrittweise zugunsten der Zentralregierung zu entmachten.

All das sahen vor allem die anarchistischen Arbeiter, aber auch der linke Flügel der sozialistischen UGT mit Misstrauen und zunehmender Verbitterung. Dass der Konflikt dann in Barcelona eskalierte, hing wohl auch damit zusammen, dass hier die Arbeiterbewegung und vor allem ihr anarchistischer Teil am stärksten organisiert waren.

Die Nachricht von der versuchten Besetzung der »Telefónica« am 3. Mai löste erbitterte Kämpfe in den Straßen Barcelonas aus. Barrikaden wurden errichtet. Umkämpft waren vor allem die zentralen Gebäude von Parteien und Gewerkschaften. Der Schriftsteller George Orwell, der in einer POUM-Einheit an der Front gekämpft hatte, schwer am Hals verwundet worden war und sich deshalb in Barcelona aufhielt, zeichnete in seinem Buch »Mein Katalonien« ein beeindruckendes Bild dieser Kämpfe, die sich noch bis zum 8. Mai hinzogen. Ihr Ergebnis: An die 400 Tote und etwa 1.000 Verwundete.

Die Zentralregierung hatte aus Valencia 5.000 bestens ausgerüstete Sturmgardisten nach Barcelona geschickt, von der Küste aus bedrohten Kriegsschiffe der republikanischen Marine mit ihren Geschützen die Stadt. Das erregte natürlich den besonderen Ärger der Anarchisten, die der Meinung waren, die Waffen würden besser an der Front eingesetzt. Der CNT nahestehende Einheiten und Teile der Lenin-Division des POUM bekundeten die Absicht, die Front zu verlassen und ihren Genossen in Barcelona zur Hilfe zu eilen. Das wurde durch das Eingreifen der jeweiligen Kommandeure verhindert.

POUM-Legende

Die anarchistischen Minister Federica Montseny und Garcia Oliver eilten nach Barcelona und riefen über den Rundfunk zur Einstellung der Kämpfe auf. Das war letztlich erfolgreich, führte aber auch dazu, dass die Arbeiter auf den Barrikaden vor Wut ihre CNT-Mitgliedsbücher zerrissen. Zum Schluss lehnten nur die »Freunde Durrutis«, ein radikaler Zusammenschluss von Anarchisten, und der POUM die Einstellung der Kämpfe ab. Das war dann auch einer der Vorwände, die Legende vom »POUM-Putsch« in die Welt zu setzen.

Der POUM war seit seiner Gründung als »trotzkistisch« stigmatisiert worden, 1937 kam das einem Todesurteil gleich. Schon im Dezember 1936 war das POUM-Führungsmitglied Andreu Nin auf sowjetischen Druck hin als katalanischer Justizminister abgelöst worden. Nin hatte sich nach der Oktoberrevolution in Sowjetrussland aufgehalten und mit Trotzki zusammengearbeitet. Weil er dann der Linken Opposition angehörte, war er aus Russland ausgewiesen worden. In Gegnerschaft zum PCE hatte er die »Izquierda Comunista« gegründet, die sich 1935 mit Joaquín Mauríns »Bloque ­Obrero y Campesino« zum POUM vereinigt hatte. Diese Vereinigung rief ebenso wie die Tatsache, dass sich der POUM an der Volksfront beteiligte, die harsche Kritik Leo Trotzkis hervor, so dass es letztlich zwischen ihm und dieser Partei zu einer scharfen Polemik kam.

Im Gefolge der Maiereignisse wurde die Partei am 16. Juni 1937 verboten und die »Lenin«-Division des POUM, die 29. Division der Volksarmee, aufgelöst. Die höchsten Funktionäre des POUM wurden von einem Polizeikommando ohne Wissen des Innenministers unter dem Vorwand verhaftet, die Partei habe gegen die Republik geputscht. Auch von kommunistischer Seite wurden die Maiereignisse als »POUM-Putsch« bezeichnet. Dass es mehrheitlich anarchistische Arbeiter waren, die in Barcelona zu den Waffen gegriffen hatten, blieb so außen vor. Ernsthaft konnte ohnehin niemand dem POUM vorwerfen, einen Putsch gegen die die Republik geplant zu haben, zählte die Partei doch gerade einmal 15.000 Mitglieder und war lokal auf einige Orte Kataloniens, der Region Valencia und der Extremadura beschränkt. Auch für eine behauptete Zusammenarbeit mit den Faschisten wurden im Oktober 1938, als die überlebenden Führer des POUM vor Gericht standen (Andreu Nin war in der Haft ermordet worden), keine Beweise gefunden. Allerdings blieb der Vorwurf, der POUM habe durch seine Politik der Zuspitzung des Klassenkampfes und der Fortführung der sozialen Revolution mögliche Bündnispartner abgestoßen und Spanien international isoliert.

Im März 1939 endete der Krieg mit der Niederlage der Republik, die weder durch den Abbruch der sozialen Revolution noch durch eine Rücksichtnahme auf die westlichen Demokratien verhindert werden konnte. Großbritannien und die Schweiz waren die ersten Staaten, die die Franco-Regierung als die legitime Regierung Spaniens anerkannten.

Gewinner der Maiereignisse waren im Bündnis mit dem rechten Flügel der Sozialisten die Kommunistische Partei Spaniens sowie in Katalonien der PSUC in der Koalition mit den Linksnationalisten. Nachdem sich nach den Maiereignissen Ministerpräsident Francisco Largo Caballero weigerte, den POUM (»eine Arbeiterpartei«, wie er sagte) zu verbieten, verließen die kommunistischen Minister Jesús Hernández und Vicente Uribe das Kabinett, gefolgt von Ministern anderer Parteien. Damit war die Regierungszeit Caballeros beendet. In der neuen, von dem Rechtssozialisten Juan Negrín gebildeten Regierung waren keine CNT-Minister mehr vertreten. Die einst mächtige CNT spielte politisch keine größere Rolle mehr, wurde aber von der PCE als Bündnispartner toleriert. Damit aber war auch das Kapitel »soziale Revolution« für Spanien abgeschlossen. Nunmehr sprach man in der Diktion der Kommunistischen Internationale vom »nationalrevolutionären Kampf des spanischen Volkes«.

Als am Morgen des 26. Januar 1939 die franquistischen Truppen die katalanische Metropole erreichten, war die Stadt von den Republikanern geräumt worden. Barcelona, früher ein Zentrum der Revolution, ergab sich kampflos und ohne Widerstand. Am Nachmittag standen italienische Panzer und marokkanische Einheiten auf der Plaça de Catalunya vor der »Telefónica«. Oberst Juan Yagüe, Kommandeur des marokkanischen Armeekorps, gab vor einer Menge von Sympathisanten Francos den Befehl, die revolutionären und republikanischen Parolen von dem Gebäude zu entfernen.

Quelle: junge Welt, (jW) Aus: Ausgabe vom 04.05.2017, Seite 12 / Thema

Redaktion KFSR