Paris bestattet Francisco Boix, den spanischen Fotografen von Mauthausen, mit allen Ehren. Von Carlos Hernández in eldiario.es, 16.06.2017.

Titelfoto: Die Bürgermeisterin von Paris legt Blumen am Sarg von Francesc Boix nieder / C. Hernández; Quelle: eldiario.es

Paris bestattet Francisco Boix, den spanischen Fotografen von Mauthausen, mit allen Ehren

Francesco Boix[1] ruht nun nach einer großen Ehrung für immer in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise, dem Friedhof der Berühmtheiten. Eine Ehrung, die keinem der 9.300 Spanier, die die Nazi-KZ erleiden mussten, in ihrer Heimat je zuteilwurde.

Foto: Francisco Boix nach der Befreiung aus dem KZ Mauthausen

Am frühen Morgen wurden die Gebeine des Fotografen aus dem be­scheidenen und versteckten Grab in Thiais, wo sie seit seinem frühen Tod im Juni 1951 ruhten, überführt.

Diese zweite Beisetzung des einzigen Spaniers, der in den Nürnberger Prozessen gegen die Führung des 3. Reiches aussagte, war sehr verschieden von der ersten, bei der ihn nur eine kleine Gruppe von Freunden, hauptsächlich Mitgefangene aus Maut­hausen, begleitete. Der heutige Akt fand mit allen Ehren und in Gegenwart zahlreicher Repräsentanten und Hunderter Angehöriger von spanischen Deportierten und vielen Bürgern aus Madrid, Katalonien und vielen Städten Frankreichs statt. Der Sarg war bedeckt mit der republikanischen Fahne. Anna Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, leitete die Veranstaltung. Weiter anwesend waren der amtierende Bürgermeister von Barcelona, Gerardo Pisarello, weitere Vertreter der Generalitat und die Präsidenten französischer und spanischer Freundschaftsgesellschaften. Die Regierung von Rajoy war nicht präsent, obwohl sich Rajoy mit einer Regierungs­delegation in Paris befand und der spanische Kongress sie ausdrücklich dazu aufgefordert hatte[2]. Nur der General­konsul und der Kultur­verantwortliche der spanischen Botschaft in Paris waren anwesend.

Sowohl der Präsident der französischen Freundschaftsgesellschaft, Daniel Simon, und Llíbert Tarragó, Sohn eines spanischen Deportierten und Freund von Boix, erinnerten an das Heldentum von Boix beim Raub der Fotos im KZ Mauthausen, die die Verbrechen der SS dokumentierten und bei den Nürnberger Prozessen als Beweise dienten. Die Bürgermeisterin von Paris hob den Kampf „dieses mutigen und engagierten Mannes“ gegen den Franquismus hervor. Seine Werten müssten in diesen Zeiten wachsenden Rassismus’ und Fremdenfeindlichkeit vorherrschen. Hier stehen wir da wie Boix, „aufrecht, frei, denkend; mit der Freiheit, mit der Bildung und mit dem Denken kämpft man in der Demokratie“. Die katalanische Liedermacherin Marina Rossell umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Anwesend waren der Historiker und Biograf Boix’, Benito Bermejo, und der 95-jährige Ramiro Santisteban, ein Mitgefangener von Boix. Auch Pierrette Sáez und Rosita Forcadell, Witwe und Tochter weiterer Mit­gefangener waren präsent. Beide haben großen Anteil am Zustandekommen der Veranstaltung und arbeiteten in der Freundschaftsgesellschaft Mauthausen in Paris seit zehn Jahren hartnäckig an diesem Projekt.

Zusammenfassende Übersetzung: Marguerite und Manfred Bremer

Quelle: http://www.eldiario.es/sociedad/Paris-entierra-honores-fotografo-Mauthausen_0_655135214.html

[1] s. a. https://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_Boix

[2] Der spanische Kongress hatte dazu auf Initiative der rechtsliberalen Ciudadanos (!) eine einstimmige (!) Resolution verabschiedet.

Redaktion KFSR

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